Bewegung 
 
 

Ich hätte auch Sport schreiben können, ich weiß. Aber ich habe Kollegen, die bekommen schon nur bei dem Wort Sport einen Schweißausbruch. Also mit Rücksicht auf Phettberg-Typen lasse ich es bei Bewegung. Das tückische an solchen Menschen ist, daß sie nicht immer so wie Phettberg aussehenund daher auch nicht gleich zu erkennen sind. Manche heben sich die körperliche Entgleisung für später auf, doch jeder bekommt irgendwann einmal die Rechnung vor dem Spiegel präsentiert.

In der heutigen Zeit erlauben uns die sogenannten technischen Erungenschaften, ganz leicht vom Fluchttier zum Konsumschwein zu mutieren, ohne es selbst zu merken. Man braucht sich kaum mehr bewegen, Supermärkte liefern das "Fressen" schon bis vor den Fernseher. Sollte man in der glücklichen Lage sein, zuhause schon mit Internet ausgestattet zu sein, so braucht man kaum mehr vor die Türe zu treten. Wenn man dann noch so wie ich dazu steht, daß man an Bewegung gefallen findet, so wird man immer öfter belächelt. Es kommt einem in manchen Kreisen so vor, als wäre man ein Neandertaler ein oder sonstiger wilder Eingeborener. Immer öfter wird man als Außenseiter betrachtet, weil man am Sonntag nicht mit Krawatte in einem Park promeniert, sondern als hemmungsloser Pedalritter die Wälder niederwalzt. So sehen es jedenfalls viele grün gewandete, oft alkoholisiert lallende, bis an die Zähne bewaffnete aus schweren Geländefahrzeugen glotzende Individuen.  Ihr werdet es kaum glauben, aber ich bin trotzdem stolz darauf zu diesen Außenseitern zu zählen. Und was das Verständnis für die Natur anbelangt, so kenne ich kaum jemanden, der die Natur so respektiert,wie ich es tue. Gott sei Dank bin ich nicht so einseitig, alles nur von einer Warte aus zu betrachten. Wie das Bild am Beginn dieser Seite dokumentiert, gehe ich ebenso gerne wandern.

Genau das ist es, was viele verlernt haben. Es bietet die moderne "Freizeitindustrie" selbstverständlich schon ausreichend Ersatz, gegen klingende Münze natürlich. Man bekommt Bewegung aus der Dose im weitetesten Sinn. Ein Videorecoder und die entsprechende Cassette dazu und man kann schon im Takt mithüpfen. Egal ob man es ernsthaft betreibt oder eben nur ganz locker so tut als ob, man ist dabei. Keiner sieht einem, es bleibt einem jeder Vergleich erspart und natürlich muß man sich nicht mit der Natur auseinandersetzen. Man kann zuhause kaum in ein Gewitter kommen und kann die mindestens einige hundert Schilling teure Regenpellarine einsparen und das Geld etwa in einen Pulsmesser stecken, damit man weiß, ob man überhaupt noch lebt.

Nun bin ich mit vielen sicher zu hart ins Gericht gegangen, es gibt zumindest in meinem Bekanntenkreis immer mehr, die zu Bewegungsarten zurückfinden, die als ursprüngliche Bewegungen dem Menschen mitgegeben wurden. Diese Sportarten verbrauchen auch kaum irgendwelche Ressourcen. Ob man jetzt normale Kleidung oder Wanderkleidung verbraucht, wird ziemlich egal sein. Aber was passiert mit den unzählichen Fitnessgeräten, die entsorgt werden müssen?

Mit diesen paar Zeilen wollte ich nicht nur meine Mitmenschen provozieren, sondern ein wenig zum nachdenken anregen (kostet übrigens nichts). Ich zähle sicher nicht zu den Weltverbesserern, sondern versuche nur so zu leben, daß ich mich selbst spüre, wenn ich versuche in meinen Körper hinein zu horchen.

 
Oktober 97, aufgenommen in Osttirol von Astrid
 
Weitere Fotos?