Filmplakat Peanuts - Die Bank zahlt alles

Komödie 
Regie: Carlo Rola
Farbe, Deutschland, 1996, FSK 6 

Kino Deutschland: 21. März 1996 
Laufzeit Kino: 95 Minuten 
Kinoverleih Deutschland: Warner Bros. 

Darsteller:
Ulrich Mühe (Dr. Jochen Schuster)
Iris Berben (Dr. Greta Görre)
Marita Marschall (Cilli Schuster-Braun)
Rufus Beck (Peter Hackmann)
Rüdiger Vogler (Wolfram Braun)
Sonja Kirchberger (Madeleine)
Traugott Buhre (Dr. Dieter Brinkhoff)
Dieter Okras (Dr. Horst Dollwitz)
Hans-Michael Rehberg (Ibrahim Jafari)
Ralf Richter (Mario)
Thomas Bestvater (Heinz Schuster)
Valeska Rautenberg (Lissi Schuster)
Heinz Schenk (Fritz Schuster)

Der erfolglose und hoch verschuldete Frankfurter Bauunternehmer Jochen Schuster beschließt, künftig nur noch erfolgreich zu sein. Als er wieder einmal wegen eines Kredites von Peter Hackmann, dem Leiter der Kreditabteilung, abgewiesen wird, beschließt er, sein Leben zu verändern.
Szenenfoto
Er steigt aus seinem alten Mercedes-Diesel, mietet sich einen luxuriösen Leihwagen, schlüpft aus seinen schäbigen Klamotten in einen Maßanzug, setzt sich eine Perücke auf und fordert einfach mehr Kredite von seiner Bank, als er tatsächlich braucht.

 Und plötzlich scheint alles zu funktionieren. Angetrieben von seiner Ehefrau Cilli, seiner Geliebten Madeleine und seinem plötzlich erwachenden Ehrgeiz schafft er es, Kredite in Millionenhöhe für seine Bauvorhaben zu kassieren. Er kauft stilvolle Altbauten, heruntergekommenes deutsches Kulturgut, das er vor dem Verfall retten will.
Szenenfoto  
Bauen kann jeder, sagt Schuster, aber Kunst geht vor Gewinn. Beflügelt von seinem Erfolg, wähnt sich Schuster bald als größter Baumeister aller Zeiten. Zusammen mit seinem Bruder Heinz, seinem Schwager Wolfram und seiner Pressesprecherin Dr. Greta Görre erobert er die deutsche Wirtschaft im Namen der Kunst.
Aber da Schuster nicht bei seinen Leisten bleibt, sondern langsam abhebt, bleibt nur die Frage der Landung offen ...
Szenenfoto


Filmkritik

Daß Kleider immer noch Leute machen, weiß man ja. Aber daß die Führungsriege einer deutschen Bank von einem gerissen bluffenden Spekulanten so leicht aufs Kreuz zu legen ist, würde keiner dem Regisseur Carlo Rola abnehmen, wenn es nicht den "Fall Doktor Schneider" gäbe. Die Parallelen sind jedenfalls kaum zu übersehen: Die betroffene Bank wurde in "Germanische Bank" umgetauft, aus Schneider wurde Schuster, der Titel "Peanuts" spricht eh für sich - und der Rest ist eine komische Geschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann.

Sie beginnt mit einer Pleite: Der kleine Bauunternehmer Jochen Schuster steht finanziell vor dem Ruin. Der Sachbearbeiter seiner Bank will ihm keinen Kredit mehr einräumen, sein reicher Vater (Heinz Schenk) leiht ihm auch kein Geld mehr, doch dann hat er die rettende Idee. Ein neues Auto samt Chauffeur wird besorgt, teuerste Klamotten werden übergestreift und auf die Glatze kommt ein Toupet. So ausstaffiert geht's mit gefälschten Unterlagen zur Germanischen Bank, wo man ihn mit offenen Vorstandsarmen empfängt und mit ein paar Millionen Mark entläßt. Wie die Geschichte weitergeht, ist bekannt.

Obwohl die Empörung über den echten Doktor Schneider groß und die Häme über sein Schicksal entsprechend war, verwandelt Regisseur Carlo Rola diese Figur in einen durchweg sympathischen Charakter. Jeder, der mal einen Kleinkredit beantragt oder irgendwie in Geldnöten gesteckt hat, wird sich sofort mit ihm identifizieren und genüßlich verfolgen, wie die Großen von einem Kleinen vorgeführt, ihre Schwächen und Dummheiten satirisch aufgespießt und selbst ihre modischen Torheiten bei alledem nicht vergessen werden.

Und dann ist da noch Ulrich Mühe, der den kleinen Schuster wie einen modernen Hauptmann von Köpenick spielt. Beinahe ungläubig verfolgt er anfangs seine Karriere, staunt selbst über seinen Erfolg und verstrickt sich am Schluß immer mehr in wahnwitzige Ideen und Projekte. Gut ergänzt wird Mühe von einem ganzen Stab exzellenter Schauspieler und Komödianten: Iris Berben als Schusters Pressedame agiert hübsch schlüpfrig, Rufus Beck als sein verantwortlicher Bankmensch stets am Rande des Nervenzusammenbruchs und Traugott Buhre als Bankdirektor ist die ganze Angelegenheit sowieso egal. Hauptsache der Rubel rollt. Und geht's mal schief, wird der Verlust eben kurzerhand von der Steuer abgesetzt.

 So werden aus Millionen von Mark schnell "Peanuts". Darüber kann man sich nun fürchterlich ärgern - oder eine freche Komödie drehen, die das hält, was andere bloß versprechen: Beste Kino-Unterhaltung aus deutschen Landen.

Dirk Jasper Filmlexikon


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