"Wir schätzen, daß bei allen drei Projekten der Betrag ganz deutlich unter 50 Mio. Mark liegt. Wir reden hier eigentlich von Peanuts."

Äußerung des damaligen Vorstandssprechers und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank, Hilmar Kopper (im Film Dr. Brinkhoff von der "Germanischen Bank"), zu Verlusten kleiner Firmen durch geplatzte Rechnungen im Zuge des Schneider-Bankrotts. 1994 wurde dieses Wort zum "Unwort des Jahres" erklärt.




 
Hilmar Kopper


 
 

Hühnerfutter
Von Werner Block (TMF IRAS) - 7. April 2000






Erinnert sich noch jemand an das "Unwort des Jahres 1999"? Nein? Dann erinnert sich auch bestimmt niemand an das "Unwort" des Jahres 1994. Ich bringe es Euch in Erinnerung: "Peanuts".

Ach ja, Hilmar Kopper, der Deutsch-Banker, und Dr. Utz Jürgen Schneider, der (Bau)Löwe mit der falschen Mähne. Und das war nicht alles, was an Dr. Schneider falsch war. Gefälscht waren auch die Kaufpreise, die vermietete Fläche und die dem zugrunde liegenden Verträge für die Objekte des Herrn Schneider. Aber das störte niemand bei der Deutschen und bei anderen Banken. Hauptsache, man war groß im Geschäft.

Schneider war der große Projektentwickler. Da konnten schon einmal (wie bei der Frankfurter Zeilgalerie geschehen) Pläne mit Hilfe von Tipp-Ex korrigiert werden, um aus ca. 9000 qm dann 20151 qm vermietbare Fläche zu machen. Die Zeil, die größte Einkaufsstraße in Frankfurt/Main, liegt ca. 2 km von der Zentrale der Deutschen Bank entfernt. Plausibilitätsprüfungen gab es nur formal. Tatsächlich fehlten aber die Berechnungsunterlagen. Das war nach Meinung der Bank auch nicht nötig, da Schneider ja für all seine Projekte persönlich haftete.

Darauf ist dieser joviale ältere Herr noch heute stolz. Der nach seiner Haftentlassung gern gesehene Talkshow-Gast durfte am 4. April diesen Jahres bei Alfred Biolek schwärmen, dass er 2,6 Milliarden DM Schulden hinterlassen hat, da er sich nicht hinter einer juristischen Gesellschaft versteckt hat, sondern zusammen mit seiner Frau persönlich für seine Projekte haftbar war. Ein paar Sätze zuvor amüsierte er sich noch darüber, wie er den Banken das Geld aus der Tasche lockte, weil er selbst ja gar keines hatte.

Als Bauherr, der den "Bürgersinn" in den Objekten wieder erstehen lassen wollte und nun von dem Geld seiner Kinder lebt, stellt sich Schneider heute dar. Dass er in Leipzig 250 Firmen (und damit ca. 3000 Arbeitsplätze) in Existenznöte brachte, tut ihm, dem Baumenschen aus ganzem Herzen, furchtbar leid.

Hilmar Kopper ist da emotionsloser. Der meinte dazu einfach in seinem smarten Englisch: "So what?" Aber vielleicht hofft er ja auch, dass dann nicht alle Betroffenen verstehen, was Sache ist. Schneider und Kopper, der Schuldner und der Gläubiger. Dr. Schneider bedankt sich heute noch, dass Herr Kopper diese Schulden alle bezahlt hat. Es waren nur Peanuts.

Und tatsächlich: Für die Bilanz der Deutschen Bank sind 50 Millionen DM nur Peanuts oder chicken-feed, wie Kopper während des Prozesses großspurig noch eins drauf setzte, da man sowieso jährlich drei Milliarden wertberichtige. Das kostet ja auch weder das eigene Geld noch die eigene Existenz. Die Handwerker und deren Angestellte mussten eben den Gürtel eine zeitlang enger schnallen. Die sächsische Aufbaubank vergab auf Kosten aller Steuerzahler subventionierte Kredite, und der Buchverlust verringerte die Steuerlast der Deutschen Bank (natürlich auf Kosten der anderen Steuerzahler).

Und die Aktionäre? Der größte, die Allianz-Versicherung, an der man wiederum mit 7% beteiligt ist, hat sich nicht beschwert. Man hat ja selbst genug mit den aufsässigen Anteilseignern zu tun, die nach der richtigen Bewertung der Beteiligungen und nach höherer Dividende fragen.

Zudem können Konkurse manch angenehmen Nebeneffekt haben. Wer heute in Berlin über den Tauentzien schlendert, kommt an der Ecke Nürnberger Straße an "Nike-Town" vorbei, einer der modernen Stahl-Glas-Konstruktionen. Hier befand sich vormals ein alteingesessenes Bettengeschäft, das auch noch existierte, als Schneider das Haus an der belebten Ecke kaufte. Klar, denn die Mietverträge musste man ja übernehmen. Nach dem Konkurs allerdings waren diese Makulatur, und so konnte abgerissen werden und "Nike-Town" entstehen.

Bevor also jemand demnächst mal in einer Filiale der Deutschen Bank - nein, in der für uns einfache Narren zuständigen Bank 24 - in der Kassenschlange steht, um das lästige Bargeld (lästig für die Bank) einzuzahlen und dabei vielleicht noch aufgefordert wird, Gebühren zu berappen für den Umtausch von einer Rolle Münzen - versichere sich, eine Zeit vertreibende Tüte Peanuts eingesteckt zu haben. Und auch für den Narr, der einen Anschaffungskredit für ein Auto haben möchte, aber die Lohnbescheinigung für die letzten Monate nicht parat hat und (obwohl das Geld regelmäßig auf dem Girokonto eingeht und man auch bereit ist, den Kfz-Brief zu hinterlegen) abgewiesen wird, hat der Mann, der viele Jahre verantwortungsvoll unsere Milliarden verwaltete, ein tröstendes Bonmot, das er wohl im Umgang mit Dr. Utz Jürgen Schneider und seinesgleichen gelernt hat: "Es hätte doch auch alles gut gehen können." Wer wollte solchen Männern sein Geld anvertrauen?

Kein Narr!!!
 

aus:


 
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