|
|
|
Chronologie des Falls SchneiderFrankfurt (Reuters) - Fast vier Jahre nach der größten Baupleite in der deutschen Nachkriegsgeschichte hat das Frankfurter Landgericht am Dienstag den Immobilienunternehmer Jürgen Schneider zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt. Hier eine Chronologie der Ereignisse:7. April 1994 Der Vorstand der Deutschen Bank erhält einen Brief Schneiders, in dem er vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit seiner Firmengruppe warnt und Finanzhilfe beantragt. Gleichzeitig kündigt Schneider seinem größten Kreditgeber an, er könne sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um seine Finanzen kümmern und trete eine Auslandsreise an. 13. April 1994 Die Deutsche Bank erstattet Strafanzeige gegen Schneider wegen Betrugs. 14.April 1994 Über 40 Gläubigerbanken einigen sich auf ein Verfahren zur Abwicklung und Verwertung der mit über fünf Milliarden Mark verschuldeten Schneider-Gruppe. Das Konkursverfahren wird eröffnet. 25. April 1994 Die Staatsanwaltschaft Frankfurt erwirkt Haftbefehl gegen Schneider. Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, beziffert die gesamten Bankschulden Schneiders zum Jahresende 1993 auf 5,3 Milliarden Mark. Die offenen Handwerkerrechnungen bei Schneider-Projekten der Deutschen Bank belaufen sich auf 50 Millionen Mark. Kopper spricht von "peanuts" (Erdnüsse). 26. April 1994 Die Genfer Justiz sperrt 245 Millionen Mark aus Schneiders Vermögen auf Schweizer Konten. Mai 1994 Nach dem Ehepaar Claudia und Jürgen Schneider wird weltweit gesucht. In den Medien wird über einen Aufenthalt Schneiders auf den Bahamas, in Iran und Florida spekuliert. 16. Mai 1995 Das ZDF-Magazin "Frontal" veröffentlicht eine Tonbandaufnahme Schneiders und bringt damit die Fahnder auf dessen Spur. Schneider macht die Deutsche Bank für den Zusammenbruch seines lmmobilienimperiums verantwortlich. 18. Mai 1995 Das Ehepaar Schneider wird von Fahndern der US-Bundespolizei FBl und des Bundeskriminalamts (BKA) in Miami aufgespürt und festgenommen. 26. Mai 1995 Die Staatsanwaltscaft Frankfurt beantragt die Auslieferung des Ehepaars Schneider. 4. November 1995 Der Bundesrichter in Miami bestätigt das Auslieferungsbegehren der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Schneiders Anwälte legen Berufung ein. 15. Januar 1996 Schneider läßt über seine Anwälte erklären, daß er seinen Einspruch gegen seine Abschiebung nach Deutschland zurückzieht. 7. Februar 1996 Das US-Außenministerium genehmigt Schneiders Auslieferung an Deutschland. 9. Februar 1996 Schneider gibt die auf Schweizer Konten blockierten 245 Millionen Mark frei. 22./23. Februar 1996 Das Ehepaar Jürgen und Claudia Schneider wird in Begleitung von BKA-Beamten aus den USA ausgeflogen und in Frankfurt in Untersuchungshaft genommen. 6. Januar 1997 Die Frankfurter Staatsanwaltschaft präsentiert die Anklage gegen Schneider wegen Kreditbetrugs und schweren Betrugs in fünf Fällen sowie besonders schweren betrügerischen Bankrotts. 14. Mai 1997 Die 29. Strafkammer des Frankfurter Landgerichts läßt die Anklage zu. 30. Juni 1997 Der Prozeß gegen Jürgen Schneider beginnt. Er bekennt sich zu Finanzmanipulationen, gibt aber den Banken eine wesentliche Mitverantwortung. 30. September 1997 Hilmar Kopper spricht als Zeuge von "unentschuldbaren Versäumnissen" der Deutschen Bank bei der Vergabe von Schneider-Krediten. 12. Dezember 1997 Die Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre und neun Monate Haft für Schneider. 16. Dezember 1997 Schneiders Anwälte verlangen eine um zwei Jahre niedrigere Strafe. 17. Dezember 1997 Schneider kündigt in seinem Schlußwort an, er werde eine Strafe "unumwunden akzeptieren". 23. Dezember 1997 Die Wirtschaftsstrafkammer verurteilt Schneider wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu sechs Jahren und neun Monaten Gefängnis. Der 63jährige kann nach 32 Monaten in Untersuchungshaft dennoch Weihnachten zu Hause feiern, da der Haftbefehl aufgehoben wird. Ab wann Schneider die Reststrafe absitzen muß, ist unklar. |
| Zurück |