20. 05. 1995

Baulöwe Schneider in Miami verhaftet

Ein Jahr nach dem größten Immobilien-Skandal Deutschlands - Auslieferung kann Monate dauern

WELT-NACHRICHTENDIENST

Miami/Wiesbaden - 13 Monate nach seiner Flucht hat die amerikanische Bundespolizei FBI den deutschen Immobilien-Unternehmer Jürgen Schneider (61) und seine Frau Claudia in Miami im US-Bundesstaat Florida verhaftet. Das teilte das Bundeskriminalamt (BKA) gestern in Wiesbaden mit.

 Das Ehepaar Schneider war nach dem Zusammenbruch seiner Baugruppe im April letzten Jahres untergetaucht. Es hinterließ Schulden in Höhe von knapp sechs Milliarden Mark. Der Fall Schneider gilt als größter Immobilien-Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Gegen Jürgen Schneider wird wegen des Verdachts auf Kreditbetrug, betrügerischen Bankrott und Steuerhinterziehung ermittelt. Seit Juni 1994 wurden er und seine Frau mit internationalem Haftbefehl über Interpol gesucht.

 BKA-Zielfahnder Hans Schmid bezeichnete die Suche als die "möglicherweise schwierigste Zielfahndung, die wir je hatten". Mehr als 100 Spuren in verschiedene Länder seien verfolgt worden. Dabei stellte sich heraus, daß Schneider schon im April 1994 mit seinem eigenen Paß von Genf nach Washington geflogen war. In den USA tauchte er dann mit gefälschten Papieren unter.

 Auf die Spur nach Miami brachte die BKA-Zielfahnder dann ein italienischer Geldbote für Schneider, dem sie von Genf in die USA folgten. Der Italiener Luigi Parlotti führte die Zielfahnder zusammen mit dem amerikanischen FBI dann an diesem Donnerstag in Miami zum Ziel. Sie folgten Parlotti, als er zusammen mit einem anderen Mann zum Einkaufen fuhr. Beide erwarben große Mengen Alkohol und Obst und fuhren dann zu einer Bank in Miami.

 Dort fiel den BKA-Fahndern die große Ähnlichkeit des Begleiters mit Schneider auf - obwohl er anders als vor seiner Flucht kein Toupet, dafür aber einen Schnurrbart trug. Von einem BKA-Beamten angesprochen, gestand Schneider sofort ein, daß er der Gesuchte sei. Das FBI verhaftete auch Parlotti, dem Strafvereitelung und Fluchthilfe vorgeworfen werden.

 Frau Schneider wurde wenig später in einem Luxus-Appartement im Küstenvorort Hallendale verhaftet. Dort hatte das Paar schon acht Monate lang gelebt. Gegen Claudia Schneider wurde Auslieferungshaft beantragt, weil sie vor der Flucht 240 Millionen Mark ins Ausland geschafft haben soll.

 Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wird jetzt ein Auslieferungsgesuch für alle drei Verdächtigen nach Amerika übermitteln. Staatsanwalt Dieter Haike erklärte, das Verfahren werde wohl mehrere Monate, möglicherweise auch länger als ein halbes Jahr dauern.

 


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