| Das repräsentativste und massivste
Gebäude, zugleich auch das größte alte Gebäude der
Stadt Osterode a. Harz ist das Harzkornmagazin, das in breiter Front am
Ufer der Söse steht. Die mehrfach am Gebäude selbst angebrachte
Jahrzahl 1722 weist die Fertigstellung des Baues zu diesem Jahre aus. Das
Osteroder Magazin das noch heute bestehende und einzige erhaltene größte
Kornmagazin des Harzes geblieben ist . In zwei umfangreichen Aktenbänden
des Oberbergamtsarchivs in Clausthal sind die Unterlagen über den
Bau des Gebäudes niedergelegt.
Bedingt durch Klima und Bodenbeschaffenheit,
die einen ergiebigen Getreidanbau in den Bergorten des Oberharzes und mithin
eine Versorgung der Bevökerung aus eigenen Anbaugebieten verhinderten,
waren die Bergorte des Oberharzes seit jeher auf die Zufuhr von Brotgetreide
aus dafür begünstigten Nachbargebieten angewiesen.
Getreide auf Vorrat einzukaufen und einzulagern,
war daher schon immer ein besonderes Anliegen der Bergbauverwaltung. So
besagen Nachrichten über die Beschaffung von Brotgetreide filr den
Oberharz und die am Bergbau Beteiligten aus den Jahren 1640 und 1642, daß
man damals (1642) auf etwa zwanzig Wochen Vorrat einaufte (pro Malter zu
7-8 Talern. 1 Malter zu 132 kg, 6 Himten zu je 22 kg) . Bei der großen
Teurung von 1661-62 bewilligte Herzog Christian Ludwig den Einkauf von
1500 Malter Roggen. Bereits 1684 und 1686 ließen die Pest und Teurungswellen
den Gedanken an ein Sammelmagazin für Brotgetreide im Oberharz aufkommen.
Mehrfach übernahm der Landesherr selbst die Kosten für Verluste
und sogenannten Magazinschaden. 1694 mietete man Kornböden in Goslar
zum Sammeln von Brotgetreide an.
Nach dem Berg-Rechnungsprotokoll vom 3.11.1704
dachte man ernsthafter an den Bau eines ständigen Kornmagazins im
Harz, dessen Notwendigkeit man dann vor allem im Pestjahr von 1709 betonte.
Damals lagerten bereits 3000 Malter Brotgetreide in Osterode, das man bereits
um diese Zeit für den geeignetsten Ort für die Anlage eines Magazins
hielt. Greifbare Gestalt nahm der Plan dann 1712/13 an. Die Clausthalschen
Berg-Resolutionen dieser Jahre sind als Ausgangspunkt für den Plan
eines Gesamt-Kornmagazins für den Oberharz anzusehen. Das Bergamt
in Clausthal wird angewiesen, einen Plan auszuarbeiten und diesen Plan
dem Berghauptmann und der kurfürstlichen Kammer zuzuleiten. Der Vizeberghauptmann
Heimburg soll
sich darüber mit den Richtern und
Räten in den Bergstädten beraten.
Der Bergsekretär Heinrich Diederich
Meyer in Andreasberg hat die Akten über Kornmagazine im Oberharz durchgesehen
und auf die Möglichkeit der Schaffung eines gemeinsamen und Gesamt-Kornmagazins
hin überprüft. Er stellte fest, daß die Bergstädte
jährlich 100.000 Malter Frucht aus dem Halberstädtischen, Nordhausenschen
und Sächsischen herbeiholen. Schon hier wird betont, daß der
Getreide-Fruchtpreis im Interesse der Bergstädte und ihrer Bevölkerung
konstant bleiben müsse. Meyer empfahl noch die Anlage zweier Kornmagazine,
je eines in Clausthal und Nordhausen. |