GSG9
Nach dem Desaster von Fürstenfeldbruck, als der Polizei
während der Olympischen Spiele 1972 ein Zugriff auf palästinensische Geiselnehmer nicht
gelang und deren sämtliche israelische Opfer den Tod fanden, wurde die Gruppe 9 des
Bundesgrenzschutzes eingerichtet. Sie ist eine Antiterrortruppe und besonders zum Einsatz
gegen bewaffnete Gewalttäter geeignet. Die ca. 200 Mann werden individuell in allen
Kampfarten mit und ohne Waffe ausgebildet. Im Vordergrund steht jedoch der Teamgedanke.
Die GSG9 besitzt neben Stabs- und Unterstützungsteilen vier Einsatzeinheiten von je sechs
Spezialtrupps à fünf Mann. Neben der gemeinsamen Ausbildung erhalten die Einheiten eine
spezielle Qualifizierung für den Einsatz aus der Luft, im Wasser bzw. als
Scharfschützenverband. Die GSG9 strebt ein geschlossenes Vorgehen in Überlegenheit der
Zahl und Taktik an (Taktiken (von Militär und Polizei)). Ziel ist es, bedrohte Menschen
zu retten und zu schützen, ohne die Verbrecher auf der anderen Seite zu verletzen
(Verhältnismäßigkeitsgrundsatz (von Polizeieinsätzen)). Daher wartet die GSG9 häufig
zunächst Verhandlungen ab. Die dabei angewandte Strategie wurde von dem
Polizeipsychologen Wolfgang Salewski (Mogadischu 1977) entwickelt, der die GSG9 bis heute
auch bei der Auswahl ihres Personals berät. Die GSG9 als Teil der Bundespolizei kann von
den Innenministerien der Länder im Wege der Amtshilfe angefordert werden, wenn die
eigenen Mittel (Sondereinsatzkommandos SEK der Polizei) nicht ausreichen, und kommt dabei
gegen alle Formen von Gewaltkriminalität zum Einsatz. Unter der vom
Bundesgrenzschutzgesetz in §8,2 festgelegten Bedingung, daß die betroffene Regierung
zustimmt, ist die GSG9 zu Aulandseinsätzen berechtigt (Bürgerkriegslagen, Karlsruher
Urteil (Bundesverfassungsgericht / Auslandseinsaätze), Völkerrechtliche Probleme (von
Geiselbefreiungen im Ausland)). Mit dieser Regelung wurde die Praxis des ersten Einsatzes
der GSG9, der Erstürmung der Lunfthansa-Maschine 'Landshut' (Mogadischu 1977), gesetzlich
festgeschrieben. Die Tätigkeit der GSG9 unterliegt größter Geheimhaltung. Von den
insgesamt 750 Einsätzen der GSG9 wurden nur zwei bekannt: die Befreiung der 'Landshut' in
Mogadischu und die Aktion von Bad Kleinen 1993, als zwei RAF-Mitglieder festgenommen
werden sollten. Damals starb der GSG9-Beamte Michael Newrzella durch einen Schuß des
Terroristen Wolfgang Grams, der sich anschließend selbst richtete.