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Fanfiction
Träume bleiben Träume
(written by Shenandora, Winter 1998 - ?, in German!)
Based upon Forever Knight
Nick Knight beendete gerade die Nachtschicht. Seine Partnerin,
Tracy Vetter, war kurz vorher gegangen. Sie wollte eher Zuhause sein,
da sie ihre Mutter erwartete.
Nick stieg in sein Auto und schaltete das Radio ein. Der Nachtfalter sprach
gerade zu seinen nächtlichen Zuhörern.
„...diese Nacht ist wie geschaffen für ein Rendez-vous mit seiner Angebeteten.
Vergeudet nicht zu viel Zeit mit Nebensächlichkeiten, diese bleiben euch immer
erhalten. Aber die Liebe vergeht oft viel zu schnell. Sie...“
Nick hörte LaCroix zu und musste an Natalie denken. Sie arbeiteten jetzt schon so
lange zusammen und mittlerweile war eine sehr enge Freundschaft entstanden.
Doch während dieser Zeit waren sie nur einmal miteinander ausgegangen.
Nun ja, so konnte man das vielleicht nicht nennen, denn damals zum Valentinstag
hatte LaCroix ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht und Natalies Leben
beinahe zerstört. Jetzt war sich Nick jedoch sicher, dass er mit Natalie einen schönen
Abend verbringen konnte, ohne sie gleich in Gefahr zu bringen. Es schien ihm, als
hätte LaCroix Nicks Beziehung zu Natalie akzeptiert.
Nick nahm sein Autotelefon und wählte die Nummer der Gerichtsmedizin.
„Doktor Lambert, ...“
„Nat, ich bin's. Was hälst Du davon, wenn wir beide zusammen ausgehen?“
Nick erhielt keine Antwort. Er konnte nur ihren Atem hören.
„Nat, bist Du noch dran?“
„Ja, ...hab ich richtig gehört? Eine Verabredung? Oder hat das etwas mit dem Fall zu
tun, an dem wir gerade arbeiten?“
„Nein, ich möchte mit Dir ausgehen. Heute Abend. Wir haben doch beide frei an diesem
Wochenende und da dachte ich mir, wir könnten etwas gemeinsam unternehmen.“
„Warum eigentlich nicht. Es ist ja schon eine Weile her, dass wir zusammen...aus
...waren.“
Natalie konnte sich so gut wie gar nicht an ihren gemeinsamen Abend am Valentinstag
erinnern. Laut Nick hatten sie sich sehr amüsiert...
„Gut. Ich hole Dich dann heute Abend um sieben Uhr ab.“
Nick legte auf und machte sich auf den Weg in seine Wohnung.
Natalie dachte über Nicks Anruf nach. Sie hatte eine Verabredung mit ihm und es schien
ihm ernst damit zu sein. Seit damals hatten sie sich nicht mehr privat verabredet.
Natürlich besuchte Natalie ihn oft, jedoch war das meistens berufsbedingt. Sie genoss
es immer wieder, wenn sie gemeinsam vor seinem Kamin saßen. Nur die dunkle
Einrichtung der Wohnung bedrückte Natalie. Es war eben die Art, die Nick bevorzugte.
Sie zog ihren Kittel aus, nahm ihren Mantel und machte sich auf den Weg zu ihrem Auto
in der Tiefgarage. Unterwegs zu ihrem Apartement machte Natalie sich darüber Gedanken,
was sie anziehen würde. Schließlich wollte sie an diesen Abend etwas besonderes tragen.
Immerhin hatte sie nicht oft die Gelegenheit dazu.
*
Nick nahm eine Flasche Rinderblut und ein Glas mit rauf in das Schlafzimmer, da hörte er
ein bekanntes Geräusch hinter sich. Er drehte sich um.
„LaCroix! Was machst Du hier?“
Lucien LaCroix stand in seiner gewohnt hochmütigen Art vor Nick.
„Ab und zu hat ein Vater Sehnsucht nach seinem Sohn.“
Nick sah zu den Fenstern.
„Die Sonne geht gleich auf und ich möchte schlafen gehen. Entschuldige mich.“ Er ging ins
Bad. Lucien wartete, bis Nick zurückkam.
„Ich werde Dich nicht stören.“
Nick sah ihn an und konnte zu seinem Erstaunen nichts von LaCroixs sonstiger
Überheblichkeit entdecken.
„LaCroix, etwas bedrückt Dich.“
„Nun, da ist tatsächlich etwas. Innerhalb einer Woche habe ich die Überreste von drei
Unsterblichen im RAVEN entdeckt...das sind drei zuviel!“
Nick hörte ihm zu und füllte das mitgebrachte Glas. Dann gab er es Lucien. Der nahm es
entgegen und nippte daran. Er verzog das Gesicht, sagte jedoch nichts, denn er hatte es
aufgegeben, Nicks Trinkgewohnheiten zu kritisieren.
„Warum erzählst Du mir erst jetzt davon?“
Nick sah Lucien vorwurfsvoll an.
„Nicholas, Du bist so sehr mit der Welt der Sterblichen beschäftigt. Da bedarf es einer
günstigen Gelegenheit wie dieser, um Dich zu sprechen.“
„Seit wann nimmst Du denn Rücksicht auf meinen Job?“
Lucien nahm noch einen Schluck und stellte das Glas bei Seite.
„Die Sonne geht bereits auf. Du wirst sicher einsehen, dass ich den Tag über hier bleiben
werde.“
Er war bereits in dem unteren Wohnbereich.
Nick trat an das Treppengelände und sah hinunter zu LaCroix.
„Wie Du willst.“
Lucien sah hinüber zum Fahrstuhl. Nick fiel ein, dass er es hasste, wenn jemand ihn am
Tage störte.
„LaCroix, es wird uns niemand stören, wenn ich es nicht will.“
„Gut!“
Die Art, wie LaCroix das sagte, kannte Nick nur zu gut. Es war eindeutig eine Warnung,
dessen war er sich sicher.
*
Natalie erwachte aus einem unruhigen Schlaf. Es war wohl die Aufregung. Sie freute sich
eben auf den bevorstehenden Abend.
Sie ging in die Küche und setzte Kaffee auf. Sydney, ihre Katze, begrüßte sie schnurrend.
„Guten Morgen, Sid. Ich hoffe, Du hast wenigstens gut geschlafen.“ Dann kraulte sie den
Kater eine Weile.
Nachdem Natalie ihren Kaffee getrunken hatte, ging sie ins Bad.
*
„Nicholas, wach auf. Es wird Zeit, unser Gespräch von heute morgen fortzusetzen.“
Nick erwachte und sah direkt in LaCroixs Gesicht. Er hatte Durst. Lucien schien das zu
wissen, denn er hielt Nick eine Flasche hin.
Er griff nach ihr und machte einen langen Zug. LaCroix sah ihm dabei zu.
„Es erstaunt mich immer wieder, wie leicht Du dieses Zeug hinunter bekommst.“
Nick stellte die Flasche neben sich und stand auf.
Lucien sah sich gerade eines der Gemälde an, die Nick verteilt im Wohnbereich
aufbewahrte, als dieser die Treppe hinunter kam.
„LaCroix, was die Sache im RAVEN angeht...“
„Nicholas, ich möchte, dass Du mir hilfst. Ich werde herausbekommen, wer dahinter
steckt.“
„Ich werde heute um Mitternacht zu Dir ins RAVEN kommen.“
„Gut. Ich werde Dich erwarten...um Mitternacht.“
Dann war LaCroix verschwunden.
*
Ende Teil I
Natalie betrachtete sich gerade im Spiegel und war mit ihrem Aussehen zufrieden. Sie trug ein
schlichtes, schwarzes Kleid, das ihre Talie betonte. Zwar fand sie den Ausschnitt ein wenig zu gewagt,
aber warum nicht. Sie legte sich ihre dazu passende Stola um und ging an das Wohnzimmerfenster.
Jeden Moment musste Nick kommen.
Ein Klingeln und Natalie fuhr erschrocken zusammen. Warum war sie in letzter Zeit nur so schreckhaft?
Sie ging zur Tür und öffnete sie.
„Hallo Nick! Schön, dass Du die Tür benutzt. Das bedeutet weitere Pluspunkte in Bezug auf Deine
anstrebende Sterblichkeit.“ Sie lächelte ihn an.
Nick sah sie an und war sichtlich begeistert von ihrem Aussehen.
„Nat, Du erstaunst mich immer wieder auf´s neue. Das Kleid steht Dir wirklich gut.“
Er trat ein und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen. Natalie wusste, dass ihm das Kleid gefallen würde.
„Wo werden wir hingehen? Ich habe großen Hunger. Du musst wissen, ich habe noch nichts gegessen.
Wir gehen doch erst etwas essen, oder?“ „Ja, wir gehen zum Chinesen. Dort habe ich einen Tisch reservieren
lassen. Anschließend gehen wir ins RAVEN.“
Natalie sah ihn überrascht an.
„Warum willst Du mit mir in den RAVEN? Du versuchst doch sonst immer, mich davon fernzuhalten.“
Nick streichelte gerade Sydney, der um seine Beine streifte.
„Ich denke, dass Du das Recht hast, meine Welt besser kennen zu lernen. Genau so, wie ich Deine kenne...
Der RAVEN gehört nun Mal dazu.“
Natalie nickte, nahm ihre Schlüssel und ihre Handtasche und ging zur Tür.
„Lass uns aufbrechen!“
Nick folgte ihr und sie gingen zu seinem Caddylack. Unterwegs schaltete Nick das Radio ein, doch der
Nachtfalter war nicht zu hören. Es war jemand, der LaCroix so lange vertrat.
„Ist das nicht der Sender, auf dem LaCroix sonst spricht?“ Natalie sah Nick fragend an.
„Du hast Recht, er muss verhindert sein.“
Der Sender spielte gerade das Lied ´Touch the Night`.
Es war eines der Lieder, die der RAVEN oft spielte. Nick drehte das Radio lauter und Natalie wusste,
es war einer der Momente, in denen Nick sich ganz seinen Gedanken hingab.
Sie erreichten das chinesische Restaurant und gingen hinein. Nachdem sie sich an dem reservierten Tisch
setzten, gaben sie ihre Bestellung auf. Nick bestellte allerdings nur ein Glas Rotwein.
Natalie sah dem chinesischen Kellner hinterher und dann rüber zu Nick.
„Du hättest ja wenigstens so tun können, als würdest Du etwas essen wollen. So sieht es aus, als wären wir
nur meinetwegen hier.“
„Nat, der Besitzer dieses Restaurants kennt mich schon sehr lange und weiß, dass ich hier nur Wein trinke.
Er hält mich auf dem Laufenden, was sein Weinangebot angeht.“
„Ungewöhnlich für einen Chinesen. Ich meine, welcher Chinese trinkt Wein?“ Sie sah Nick an...und verstand.
„Nun, was soll´s. Auf jeden Fall werde ich mein Essen genießen.“
„Das sollst Du auch. Dafür sind wir ja hier. Ah, da kommt es schon. Lass es Dir schmecken.“
Nick sah ihr dabei zu, wie sie genüsslich die ersten Bissen zu sich nahm. Er selbst nippte an seinem Wein.
Dabei gab er sich seinen Gedanken erneut hin. Er musste daran denken, wie es zwischen ihnen weitergelaufen
wäre, wäre da nicht die Sache mit LaCroix geschehen. Nick war sich bewusst, dass sie ihre Liebe nur bis zu
einem bestimmten Punkt hätten ausleben können. Aber das war es ihm Wert. Er konnte sich ein Leben ohne
Natalie nicht mehr vorstellen. Sie war es, die ihm immer wieder Mut machte. Wenn es Rückschläge gab, die
seinem Streben nach der ersehnten Sterblichkeit behinderten, half sie ihm damit umzugehen...
„Nick?“
Nick löste sich von seinen Gedanken und sah sie an.
„Hast Du was gesagt? Entschuldige, ich war in Gedanken und hab nicht zugehört.“
„Ich wollte nur wissen, ob LaCroix auch im RAVEN sein wird. Du weißt, ich bin nicht gerade ein Fan von ihm.“
„Er wird dort sein, schließlich gehört ihm der Club. Aber er hat im Moment andere Sorgen, als sich mit uns zu
beschäftigen“
Natalie sah Nick verwundert an.
„Was denn. LaCroix hat Sorgen? Erzähl mir davon...bitte.“
Nick sah, dass sie zu Ende gegessen hatte.
„Lass uns bezahlen und von hier verschwinden. Unterwegs zum RAVEN erzähl ich´s Dir dann.“
Nachdem sie die Rechnung bezahlt hatten, gingen sie zum Auto und fuhren los.
„LaCroix besuchte mich heute Morgen und blieb bis zum Sonnenuntergang. Er erzählte mir, dass er die
Überreste von drei Unsterblichen gefunden habe...innerhalb einer Woche. Er fand sie im RAVEN.
Nat,...auch ich mache mir Sorgen. Irgendjemand scheint was gegen uns zu haben.“
„Glaubst Du, dass es ein Sterblicher ist, der dafür verantwortlich ist?“
„Wer sonst könnte etwas davon haben, Vampire auszulöschen?“
Natalie legte ihre Hand auf Nicks Arm.
„Vielleicht kann ich euch helfen?...Ich könnte die Überreste genau untersuchen. Da lässt sich bestimmt etwas
finden.“
Nick sah auf ihre Hand und dann in ihr Gesicht.
„Es wäre ein Versuch wert.“
*
Lucien LaCroix befand sich in einem der hinteren Räume des RAVEN und trank ein Glas aus seinem eigens
angelegtem Sortiment. Gerade hatte er erneut die Überreste eines Unsterblichen gefunden. Das wurde langsam
lästig. Irgendein Sterblicher war gerade dabei, sich bei LaCroix sehr unbeliebt zu machen. Für Lucien stand fest,
dass es einer von denen war. Zeit, etwas dagegen zu unternehmen.
Er sah von seinem Glas hoch und erblickte Nicholas - und Doktor Lambert. Warum brachte er sie hierher?
Lucien ging auf sie zu, den Blick auf Nick gerichtet.
„Nicholas, warum bringst Du sie mit hierher?“
LaCroix deutete auf Natalie, die neben Nick stehen blieb.
„LaCroix, ich werde den heutigen Abend mit Natalie hier verbringen. Es ist an der Zeit, dass sie die Orte genauer
kennen lernt, an denen ich mich nun Mal aufhalte. Ich hoffe doch, dass Du nichts dagegen hast?!“
Die Art, wie Nick das zu LaCroix sagte, ließ keinen Widerspruch zu, das wusste Natalie. Sie sah erst Nick und
dann LaCroix an. Der sah jetzt auch zu ihr rüber und lächelte sie an. Wieder einmal war ihr dabei nicht wohl
zumute. Dieses arrogante Lächeln kannte sie mittlerweile sehr gut...und sie mochte es nicht!
„Natürlich nicht. Es ist mir wie immer ein Vergnügen, Sie zu sehen, Doktor Lambert. Amüsieren Sie sich.“
Lucien nahm ihre Hand und gab ihr einen Handkuss. Natalie war leicht verwirrt und sah Nick an. Der umarmte
ihre Talieund führte sie zu einem der Tische, die auf der Anhöhe standen.
LaCroix folgte ihnen und blieb vor dem Tisch stehen.
„Nicholas, um Mitternacht erwarte ich Dich in meinem BÜRO.“ Er sah Natalie an. „Allein!“
Dann drehte er sich um und wollte gehen.
„LaCroix, ich möchte, dass Natalie dabei ist. Sie kann uns vielleicht helfen.“
Lucien blieb stehen.
„Ich denke nicht, dass wir ihre Hilfe benötigen.“
Er machte erneut Anstalten zum Gehen, als er Natalie hinter sich hörte.
„Was macht Sie da so sicher? Mit meinen Kenntnissen kann ich herausfinden, ob es ein Sterblicher oder
einer von EUCH ist.“
Nick stand auf und ging auf Lucien zu.
„LaCroix, sie hat die Möglichkeit, es herauszufinden.“
LaCroix wandte sich ihnen zu.
„Nicholas. Es hat den Anschein, als würdest Du neuerdings alles, was uns betrifft, mit ihr besprechen. Das
gefällt mir nicht! Dein Vertrauen ihr gegenüber missfällt mir.“
Dann wandte er sich an Natalie.
„Nun gut. Leisten Sie uns heute Nacht Gesellschaft. Aber ich warne Sie. Sollten Sie versuchen, mich zu
täuschen, merke ich es sofort. Glauben Sie mir, Doktor Lambert, es würde Ihnen nicht gut bekommen.“
LaCroix sah Nick an und entfernte sich dann langsam.
„Man, das war wieder ein Auftritt.“ Natalie rieb sich kurz ihre Hand und nahm einen Schluck von ihrem Sekt,
den sie sich bestellt hatte. Nick sah sie an.
„Du brauchst das nicht tun, wenn Du nicht willst.“
Sie sah ihn eine Zeit lang an und nahm erneut ihr Glas.
„Nick, ich will euch helfen...Dir helfen, die Sache aufzuklären. Ich lasse mich von LaCroix nicht einschüchtern.
Du weißt, Du kannst mir trauen...Cheers!“
Sie hob das Glas und trank.
Nick betrachtete sie und sah dann zur Tanzfläche.
„Nat, was empfindest Du an einem Ort wie diesen?“
Sie sah ebenfalls zur Tanzfläche.
„Der RAVEN bedrückt mich ein wenig, wohl weil er so düster aufgemacht ist. Hier ist es auch unheimlich,
da ich nicht weiß, wie viele Sterbliche und wie viele Vampire sich hier aufhalten. Aber sie scheinen gut
miteinander auszukommen. Sie tanzen gemeinsam und leben auf ihre Weise ihr Leben. In diesem Augenblick
sind sie vielleicht sogar glücklich. Nick, ich bin froh, dass Du mich mitgenommen hast. Bisher habe ich den Club
nur berufsbedingt gekannt. Aber er gehört zu Deinem Leben, wie Du schon sagtest. Und ich will daran teilhaben.“
Sie sahen sich beide an und Nat legte ihren Kopf an Nicks Schulter. Er umarmte sie und sie saßen noch einen
Moment so dar.
*
ENDE TEIL II
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Together in Danger
(German)
Written by Shenandora DeWynst , 1998
Ich möchte darauf hinweisen, daß diese Kurzgeschichte auf die kanadische TV Serie
Forever Knight basiert. Die Rechte an FK und die darin erwähnten Charakteren liegen allein bei Sony / TriStar !
>An Doktor Lambert
Bitte treffen Sie mich in einer Stunde vor dem alten Museum
fuer Kunstgeschichte. Dort erwartet Sie auch ein sehr alter
Freund. Kommen Sie allein!<
Natalie las die Nachricht mehrmals, drehte den Zettel in ihrer Hand und beschloss, Nick anzurufen.
Sehr alter Freund . Damit konnte doch nur Nick gemeint sein, oder? Sie waehlte seine Nummer, doch
wie erwartet meldete sich nur sein Anrufbeantworter.
Eine Stunde. Nun gut, sie nahm ihren Mantel und ihre Tasche und verließ ihre Wohnung.
*
LaCroix beendete gerade eine seiner naechtlichen Sendungen als Nachtfalter. Der RAVEN war wie
jede Nacht gut besucht sowohl von Sterblichen als auch Unsterblichen. Diese waren von einander
nicht sonderlich zu unterscheiden, da fast alle Besucher des RAVEN den gleichen Taint besassen.
Sei es natuerlicher Art oder durch ein passendes Make-Up. Es war für LaCroix nicht sonderlich
schwer, die Menschen unter ihnen zu fuehlen.
Er genoss gerade ein Glas Wein, gemischt mit einem guten Schluck Blut, als ihn ein bekanntes
Gefuehl von Besorgnis befiehl.
Also steckte Nicholas wieder einmal in Schwierigkeiten. Er hatte es langsam Satt, seinen Sohn aus
irgendwelchen, unangenehmen Situationen herauszuhelfen. Nachdem Janette Toronto verlassen
hatte, beschaeftigte sich LaCroix wieder mehr mit Nicholas' Leben. Das konnte zu Weilen recht
anstrengend sein, auch für jemanden, der schon so lange lebte wie Lucien LaCroix.
*
Natalie parkte seitlich des Museums. Sie fuehlte sich sehr unwohl. Angst - ja, das war es, was sie
empfand. Irgend etwas stimmte nicht, und sie war gerade dabei, es herauszufinden.
Die grosse schwere Tuer des Kunstmuseums war offen und Natalie ging hinein. Sie liess die Tuer
hinter sich zufallen und machte langsam ein paar Schritte nach vorn. Grosse, schwere Kerzen-
staender mit schlichten Kerzen waren das einzige, was die Empfangshalle beleuchtete.
"Hier bin ich. Mein Name ist Doktor Lambert und ich bin allein - wie Sie es wollten."
Keine Antwort. Toll, sie hatte wirklich besseres zu tun, als hier wichtige Zeit zu vertroedeln.
"Guten Abend, Doktor Lambert! Es freut mich, dass Sie meiner Einladung gefolgt sind. Darf ich mich
vorstellen, Doktor Sutten. Ich erforsche das Unbegreifliche, aber dennoch Existierende dieser
Welt."
Natalie sah sich einem jungen, etwas durcheinander wirkenden Mann gegenueber.
Er sprach weiter: "Also, mir ist da ein Fang gelungen, der es Wert ist, wissenschaftlich untersucht
zu werden. Aber das koennen Sie mir bestimmt bestaetigen. Ich..."
"Was wollen Sie von mir?" unterbrach Natalie den Wissenschaftler. Ihre Angst wurde immer
groesser, aber sie versuchte, sich nichts anmerken zu lassen.
Doktor Sutten ging nun langsam auf Natalie zu und fuhr fort mit seiner Erlaeuterung: "Ich sehe
schon, ich muss deutlicher werden. Vor ein paar Wochen wurde ich Zeuge bei einem Einsatz ihres
Freundes, Mister Knight. Ich sah, dass er sich sehr schnell bewegte. Natuerlich war ich genauso
irritiert wie die Person, die er verfolgte. Dann, als es zu einem Kampf zwischen den Beiden kam,
dah ich sein Gesicht. Ich stand tatsaechlich einem Vampir gegenueber. Weitere Nachforschungen
meinerseits, auf die ich nicht naeher eingehen moechte, bestaetigten mir dies."
Natalie hoerte dem Doktor zu und ihr wurde mehr und mehr bewusst, dass sich Nick in wirklicher
Gefahr befinden musste.
"Sie taeuschen sich, Doktor Sutten. Sie haben zu viel Phantasie."
"Doktor, eines koennen Sie mir glauben, wenn ich etwas untersuche, dann gruendlich. Womit ich
bei dem bin, was ich jetzt vorhabe.
Wie schon erwaehnt, ist es mir gelungen, ihren Freund zu mir - sagen wir mal - einzuladen.
Natuerlich wollte auch er mir spaeter einreden, das waere alles nur meiner Phantasie entsprungen.
Doch schon bald merkte er, dass ich nicht davon abzuhalten war, die Wahrheit zu kennen. Auch
sein Versuch, mich alles vergessen zu lassen, schlug fehl.
Mit recht wirkungsvollen Mitteln habe ich es geschafft, Detective Knight hier festzuhalten.
Die Tatsache, dass ihr Freund sich für ein paar Tage frei genommen hatte, kam mir sehr gelegen.
Aber kommen wir zu Ihnen, Doktor Lambert. Sie werden mir helfen, eine weitere Untersuchung
durchzufuehren."
Natalie konnte gar nicht glauben, was sie da eben gehoert hatte. Sie musste Nick sehen und ihm
helfen, das war sicher.
"Doktor Sutten, Sie koennen niemanden wie ein Versuchskaninchen festhalten und fuer irgend-
welche Untersuchungen missbrauchen. Ich moechte augenblicklich zu Nick!"
Sie war sehr aufgebracht.
Der Doktor drehte sich um und sagte, waehrend er auf eine schmale Tuer zuging: "Aber natuerlich
koennen Sie zu Nick. Ich bringe Sie zu ihm. Kommen Sie bitte mit!"
Sie kam seiner Aufforderung nach und folgte ihm.
Direkt hinter der Tuer fuehrte eine kleine Treppe in den Kellergaengen des Gebaeudes. Dort kamen
sie an mehreren Raeume vorbei. An den Waenden brannten in gleichgrossen Abstaenden Kerzen,
die denen in der Empfangshalle glichen.
Hier unten war es bedrueckend eng.
Vor einen der Kellerraeume blieb Sutten stehen und oeffnete die alte Tuer. Natalie stand nun neben
ihm und sah in den kleinen Raum hinein.
"Nick!"
*
Tracy Vetter sass an ihrem Schreibtisch und wunderte sich ueber das, was Captain Reese ihr vor
einer viertel Stunde gesagt hatte. Nick Knight, ihr Partner, hatte sich fuer ein paar Tage freige-
nommen. Warum hatte er ihr davon nicht erzaehlt?
Nun ja, so kannte sie ihn. Dann eben ein paar Tage ohne ihn. Das duerfte fuer die Tochter des
Police Commissioners ja nicht all zu schwer sein. Der Fall, den sie gerade bearbeiteten, war
sowieso so gut wie abgeschlossen. Sie setzte sich rueber an Nicks Schreibtisch und sah sich die
Unterlagen noch einmal an. Die Verdaechtige hatte gestern Abend gestanden und war nun in
Verwahrsam.
Tracy nahm den Bericht und ging in das Buero des Captains. Sie wollte fuer heute Schluss machen.
*
Natalie konnte nicht fassen, was sie da vor sich sah. Einen sehr kleinen Raum mit einem mit Laeden
verschlossenem Fenster und einem Bett. Das Fenster hatte Eisengitter, wobei diese ein deutliches
Kreuz in der Mitte zeigten. So war auch die zusaetzliche Eisengitter-Tuer am Eingang mit einem
Kreuz in der Mitte versehen. Die Gitterstaebe an sich waren nicht sonderlich eng aneinander gereiht.
Natalie bemerkte, dass durchgehend etwas Fluessiges an den Fenster- und Tuergittern hinunterlief.
Das musste ein zusaetzliches Hindernis fuer Nick darstellen, sonst haette er bestimmt schon einen
Weg gefunden, hier wieder herauszukommen.
Nick selbst sass, die Arme gestuetzt auf das angewinkelte Bein, auf dem Bett und sah sie an. Er
sagte jedoch kein Wort.
Sie konnte ihm ansehen, wie aufgebracht er war. Die Art, wie er sie ansah, das kannte sie nur zu gut.
"Bitte, Doktor Lambert, gehen Sie hinein und leisten Ihren Freund Gesellschaft. Ich bin sicher, die
wird er brauchen. Mich muessen Sie entschuldigen. Ich habe noch etwas zu erledigen und werde
nicht vor morgen frueh zurueck sein."
Nachdem Sutten dies sagte, oeffnete er die Gittertuer, schubste Natalie schnell in den Raum hinein,
schloss die Tuer wieder zu - und ging.
"Nat!"
Sie setzte sich neben ihm aufs Bett.
"Nick, wie konnte das geschehen?"
Er sah sie einen Moment lang an. Dann antwortete er mit leiser Stimme. "Sutten hat es irgendwie
geschafft, tagsueber in meine Wohnung zu gelangen. Du weisst, dass ich zu dieser Zeit einen sehr
tiefen Schlaf habe. Ich wurde wach, weil ich einen Schmerz verspuerte. Er spritzte mir ein Gift,
das für Sterbliche toedlich ist, fuer uns jedoch nur betaeubend. Als ich mich von dem Gift erholte,
war ich bereits hier."
Natalie sah sich die Tuer an und richtete dann ihren Blick auf das Fenster.
"Klever ist er, das muss man ihm lassen."
"Ja, das fluessige Zeug, das an den Gitterstaeben hinunterlaeuft, ist geweihtes Wasser. Es wird
ununterbrochen nach oben gepumpt. Die Kreuze und dieses Wasser lassen mich immer schwaecher
werden."
Also hatte sie Recht. Das war der Grund, warum Nick noch hier war.
"Nick, vielleicht kann der Lauf des Wassers mit meiner Hilfe unterbrochen werden?"
"Nat?"
Sie sah ihn an.
"Nat, ich hab seit gestern Nacht nichts mehr zu mir genommen und komme um vor Durst."
Erst jetzt wurde ihr bewusst, wie blass Nick war. Zoegernd antwortete sie ihm. "Du brauchst Blut...
und...ich habe welches. Du koenntest..."
"Nein!"
"Nick, ich..."
"Nein, das will ich nicht!"
"Das ist vielleicht die einzige Moeglichkeit, die wir haben wenn wir vor morgen Früh hier raus sein
wollen."
Sie hob ihre rechte Hand und beruehrte leicht Nicks linke Wange. Er packte ihr Handgelenk und gab
ihr einen Handkuss.
"Wir werden eine andere Loesung finden."
"Viel Zeit bleibt uns aber nicht."
*
LaCroix betrat das Museum fuer Kunstgeschichte, als er deutlich die Anwesenheit Nicholas spueren
konnte. Es war jemand bei ihm, ein Sterblicher. Schnell fand er die Tuer zu den unteren Gaengen des
Museums. Dort ging LaCroix an den vielen Kellerraeumen vorbei und naeherte sich dem Raum
Nicholas'.
Kurz davor blieb er stehen und sprach in seiner gewohnt ruhigen Art. "Oh Nicholas. Wie hast du es
nur wieder fertig gebracht, dich in diese doch recht merkwuerdige Situation zu bringen?"
Waehrend er dies sagte, trat er langsam vor die Gittertuer. Ein wenig Abstand haltend sah er in den
Raum hinein und richtete sich an Natalie. "Ich freue mich, Sie schon so bald wiederzusehen, Doktor
Lambert."
Beide, Nick und Natalie, sahen zur Tuer.
Also hatte Nicks Gefuehl ihn nicht getaeuscht. Er hatte so eine Ahnung, dass LaCroix auf den Weg
hier her war. Er erschien immer, wenn Nick sich in ernster Gefahr befand.
"LaCroix, an den Eisengittern fliesst geweihtes Wasser hinunter. Das und die Kreuze haben mich
schwach gemacht. Du musst uns helfen."
Nick war aufgestanden und ging auf Lucien zu.
"Warum glaubst du, bin ich hier? Obwohl ich es eigendlich leid bin, dir immer wieder helfen zu
muessen."
Natalie fuehlte sich jedes Mal sehr unwohl, wenn sie LaCroix begegnete. Doch jetzt war sie sogar
dankbar dafuer. Der richtete seinen Blick auf Natalie.
"Nicholas, es ist vor allem der Hunger, der dich schwaecht. du brauchst Blut und das weisst du."
Nick folgte LaCroix's Blick. "Ja, du hast Recht, aber nicht Natalies. Was soll das, LaCroix?"
"Nun, dann wirst du mit meinem Vorlieb nehmen muessen, nicht wahr." Lucien holte ein Weinglas
aus seiner Manteltasche hervor, hob seinen rechten Arm und versenkte seine Zaehne in die Ader.
Das Blut floss langsam in das Glas. Natalie konnte ihren Blick nicht davon losreissen und be-
obachtete das Ganze aufmerksam. Nick hingegen sah weg, denn das Blut liess ihn immer unruhiger
werden. Nun hob LaCroix das gefuellte Glas und wandte sich an Natalie. "Doktor Lambert, Sie
werden verstehen, wenn ich Nicholas das Glas nicht selbst geben werde." Er deutete auf die Gitter-
staebe und fuhr fort. " Wenn Sie so freundlich waeren und ihm das Glas reichen. Aber passen Sie auf,
dass es nicht mit enen der Staebe in Beruehrung kommt."
Natalie stand vom Bett auf und ging auf LaCroix zu. sie sah ihn an und ihr war gar nicht wohl dabei.
Aber es war wohl die einzige Chance, die sie hatten.
Nick sah ihnen zu und stellte sich neben Natalie. Sie sah ihn an und er konnte ihre Zweifel spueren.
"Nat, er wird dir nichts tun. Er moechte genauso wie wir, das dieser Ort bald der Vergangenheit an-
gehoert."
Sie zoegerte nicht laenger und steckte ihren Arm durch die Gitter. LaCroix reichte Natalie das Glas.
Dabei beruehrten sich kurz ihre Haende und sie zuckte automatisch zusammen. Er sah sie an und
meinte. "Nicholas hat Recht, glauben Sie mir."
Sie balancierte das Blut vorsichtig durch das Eisengitter. Den Arm wieder auf ihrer Seite, riss Nick
es ihr foermlich aus der Hand und trank das Glas mit dem Blut in einem Zuge leer.
Er konnte fuehlen, wie seine Kraefte wiederkehrten und liess das Glas fallen. "Nat, ich moechte,
dass du deine Haende um die mittleren zwei Staebe legst." Sie befolgte seine Anweisung.
Nick stellte sich nun hinter Natalie und legte vorsichtig seine Haende auf ihre, wobei er sie halb
umarmte. Er durfte nicht mit den anderen Staeben in Beruehrung kommen. Dann, ein gewaltiger
Ruck und die beiden Staebe waren nach aussen heraus gebrochen.
Natalie konnte gar nicht so schnell verfolgen, was geschehen war. Doch beim zurueckziehen
streiften Nicks Haende das geweihte Wasser und er zuckte zurueck. Sofort sah sich Natalie die
schmerzenden Haende an und meinte. "Ging noch Mal gut. Haette schlimmer sien koennen."
Nick sah sie an. "Schoenen Dank auch, das reicht mir schon."
LaCroix sah den beiden zu und meinte. "Nicholas, wir haben nicht ewig Zeit. Nun ja, zumindest
nicht in dieser Situation. Wir sollten gehen."
"Ja, du hast Recht. Die Zeit draengt." Nick schob Natalie vor sich durch das entstandene Loch
zwischen den Gitterstaeben und zwaengte sich dann selbst dadurch. Sie gingen durch den Gang,
die Treppe hinauf und zurueck zum Ausgang.
LaCroix drehte sich um und sah die beiden an. "Nicholas, ich hoffe, es war das letzte Mal. Obwohl
ich dich kenne und es ein naechstes Mal geben wird. Warum machst du es dir nur so schwer?
Vielleicht sollte ich dir erneut beibringen, wer in diesem Spiel der Jaeger und wer der Gejagte ist
...Doktor Lambert, ich fand unser kleines Zusammenspiel recht amuesant. Doch denken Sie immer
daran, ich habe Nicholas geschaffen und habe nicht vor, ihn wieder zu verlieren."
Natalie sah ihm ins Gesicht. Da war es wieder, das mulmige Gefuehl.
"LaCroix, ich will Nick niemanden wegnehmen, aber wenn ich ihm helfen kann, dann werde ich das
tun." Sie wartete gar nicht erst eine Antwort ab und ging zu ihrem Auto. Es war wohl besser, wenn
sie dort auf Nick warten wuerde.
Sie setzte sich ins Auto und liess den Motor an. Als sie hochsah, konnte sie mitverfolgen, wie
LaCroix sich entfernte. Irgendwie gemein, einfach so wegzufliegen, waehrend sie die lange
Strecke fahren musste.
"Wir koennen fahren, wenn du so weit bist."
Natalie erschrak, als sie Nick neben sich sitzen sah.
"Du sollst mich nicht immer so erschrecken. Du weisst, dass ich das nicht mag."
Sie drehte ihren Wagen um und fuhr los.
*
In Nicks Wohnung angekommen, setzten sich beide erst einmal auf das Sofa.
"Nick, was wird jetzt aus dem Professor? Er kennt jetzt dein Gehiemnis und wird das bestimmt nicht
fuer sich behalten."
Nick stand auf, ging zum Kuehlschrank und holte eine Flasche Rinderblut heraus.
"LaCroix wird sich darum kuemmern, denn auch wenn ich ihn nicht beeinflussen konnte. Er kann es!
Allerdings haette LaCroix ihn lieber...na du weisst schon...Ich kann fuer Sutten nur hoffen, dass
LaCroix sein Versprechen mir gegenueber haelt."
Natalie beobachtete Nick beim Ansetzen der Flasche und meinte nur. " Ich koennte es ihm nicht
einmal veruebeln, wenn er es nicht taete." Dann zog sie ihre Schuhe aus und machte es sich auf dem
Sofa bequem. Kurze Zeit spaeter war sie eingeschlafen.
Nick setzte sich auf einen der Sessel und beobachtete sie. Ich auch nicht.
ENDE
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