Der Entry Draft 1998 - Zwei plus Zweihundertirgendswas

by TH

Jedes Jahr gegen Ende Juni treffen sich in einem Stadion der NHL ca. 230 motivierte Jungspunde, die es in die beste Eishockeyliga der Welt schaffen wollen, hunderte von Managern, Trainern und Teampräsidenten, die allesamt junge Spieler für die Zukunft ihres Teams ziehen wollen, und viele Agenten, die für die zukünftigen Stars hochdotierte Verträge aushandeln wollen - um damit gute Provisionen einzustreichen. Das schwierige am Entry Draft der NHL ist, dass man die Schwächen der Zukunft jetzt schon wissen, bzw. entdeckt haben muss, um jetzt den richtigen Spieler zu draften, der vielleicht in zwei, drei Jahren eine Lücke stopfen kann. Denn jedes Jahr sind maximal zwei oder drei Spieler dabei, die es sofort in die NHL schaffen könnten. 1998. Dieses Jahr ist es aber noch schwieriger - für das Gros der Teams zumindest. Es gibt zwei nahezu gleichstarke Spieler - Vincent Lecavalier und David Legwand -, die deutlich besser eingestuft sind als der Rest, der viele eher aus durchschnittlichen Nachwuchscracks besteht. Für Tampa Bay und San Jose wird es - in der 1. Runde - dann relativ leicht; sie ziehen als 1st und 2nd overall.

Wer sind jetzt schon die Verlierer des Draft '98?

Verlierer Nr. 1: Colorado Avalanche. Pierre Lacroix, der General Manager des Stanley Cup Siegers von 1996, holte sich in den letzten eineinhalb Jahren einige 1st Round Draft Picks in Trades - allesamt von Teams, die zu der Zeit relativ schlecht waren. Washington, Boston, San Jose und Los Angeles gaben ihre 1st Round Picks nach Denver für Chris Simon, Anders Myrvold und Landon Wilson, Mike Ricci und Stephane Fiset. Lacroix wollte eigentlich einen der absoluten Top-Picks dadurch ergattern, um seine Avalanche für die Zukunft zu rüsten. Der Plan schlug etwas fehl - Colorado darf nun dieses Jahr in der 1. Runde als Nummer 12., 17., 19. und 20. ziehen. Es kann aber auch passieren, dass alle vier Picks kombiniert werden, um vielleicht von Tampa oder San Jose Lecavlier oder Ledwang zu bekommen.

Verlierer Nr. 2: Nashville Predators. Der NHL-Neuling, der dieses Jahr zum ersten Mal ziehen darf, hatte in Draft-Lottery etwas Pech: Sie sind an Nummer drei gekommen. Nachdem es aber nur zwei sehr gute Nachwuchsspieler gibt dieses Jahr, müssen sie mit einem Durchschnittstalent auskommen. Doch gerade ein sehr talentierten Spieler wäre für eine neue Franchise eminent wichtig - besonders, weil die Regeln für den Expansion Draft der Predators etwas schwierig sind.

Die Top-Spieler für 1998 (Reihenfolg aus "The Hockey News", Vol. 51, No. 36):

1. Vincent Lecavalier - Center

Egal wie gut Vincent auch ist, er ist kein Mario Lemieux - aber eine gute Nummer Eins. "Er ist eher wie Pierre Turgeon als wie Lemieux", sagte ein Scout. Ein Spieler vom Typ Turgeon mit körperlicher Größe und einer besseren Einstellung zum Eishockey - dazu hat er noch mit 1,93m eine beeindruckende Reichweite. Sein körperbetontes Spiel und seine Spielintelligenz stellen ihn etwas höher als Pierre Turgeon, die Nummer Eins von 1987. "Er kann ein fieser, geimeiner Hurrensohn sein", sagte ein anderer Scout, "er wird nicht viele Nicklichkeiten einstecken ohne welche auszuteilen." Während er knapp zwei Punkte pro Spiele erzielte - 115 in 58 Spielen -, befindet er sich nicht in der selben Dimension, wie es Lemieux war (282 Punkte in 70 Spielen). Nur David Legwand war in der selben Stärkeklasse wie Lecavalier. Auf der Central Scouting Bureau (CBS)-Skala von eins bis zehn bekam eine zehn in Fähingkeiten mit dem Puck und Eishockeyverständnis, eine neun in Wettbewerbsfähigkeit und eine acht in Schlittschuhfahren, körperliches Spiel und Checken.

2. David Legwand - Center

Er kam auf die Bühne der Nachwuchsligen wie kein anderer diese Saison. Vincent Lecavalier war schon eine Zeit lang als großes Talent bekannt, aber Legwand kam in die Ontario Hockey League (OHL) als unbekannter Rookie. Und jetzt sind sie beide zwei Spieler, die deutlich und klar besser als der Rest einzustufen sind. "Er ist ein reiner Goalgetter mit einer Geschwindigkeit, die hres Gleichen sucht", so ein CBS-Scout über den 54-Tore-Spieler der OHL. Am öftesten wird er mit seinem Michigan-Staatskollegen Mike Modano verglichen, der Nummer Eins 1988. "Modano ist zwar jetzt größer, doch im selben Alter gibt es Parallelen", so ein weiterer Scout. Die Talentsichter ergötzten sich an Legwand's schnellem harten Schuss und seiner ultraschnellen Beschleunigung. Seine Müdigkeit in der zweiten Saisonhälfte schmälerten seine Leistungen etwas, doch er war weiterhin in seinem jungen Alter ein Leader für sein Team. Nun ist er eine sehr gute Nummer zwei - auf manchen Teamlisten sogar eine Nummer eins. Nach dem CBS-Notensystem gab es neunen in Schlittschuhfahren, Umgang mit dem Puck und Eishockeyverständnis, eine acht in Wettbewerbsfähigkeit und sechsen im Checken und physischem Spiel.

3. Brad Stuart - Defenseman

Ein pfeilschneller Verteidiger mit enormen Schuss (152 km/h). "Wenn er gut in Form kommt, könnte er in allen Belangen besser sein als Chris Phillips", so ein Scout. Und Phillips war die Nummer Eins 1996. "Aber hat es noch nicht bewiesen."

Die weiteren Spieler 1998:

4. Manny Malhotra, Center

5. Bryan Allen, Defenseman

6. Michael Henrich, Right Winger

7. Martin Skoula, Defenseman

8. Dmitri Kalinin

9. Mark Bell, Center

10. Rico Fata, Center

11. Robyn Regehr, Defenseman

12. Ramzi Abid, Left Winger

13. Jiri Fischer, Defenseman

14. Mathieu Biron, Defenseman

15. Patrick DesRochers, Goaltender

16. Christian Backman, Defenseman

17. Jeff Heerema, Right Winger

18. Eric Chouinard, Center

19. Vitali Vishnevsky, Defenseman

20. Mike Van Ryn, Defenseman

21. Simon Gagne, Center

22. Milan Kraft, Center

23. Mathieu Chouinard, Goaltender

24. Michael Rupp, Left Winger

25. Stephen Peat, Defenseman

26. Ossi Vaananen, Defenseman

27. Justin Papineau, Center

In dieser Liste ist nicht berücksichtigt, dass einige Spieler aus dem Entry Draft 1996, die noch keine Verträge mit ihren Ziehungsteams unterschrieben haben, wieder in den Draft kommen.

Anmerkung: Der Text wurde überwiegend aus "The Hockey News", Vol. 51, No. 36 übernommen.