Der Weg ins 21. Jahrhundert - Die NHL-Expansion

by TH

Vor ungefähr 80 Jahren startete die National Hockey League - ein Zusammenschluss von vier Eishockeymannschaften -, um einen Cup auszuspielen: den Stanley Cup. Diese vier Teams waren die Montreal Canadiens, Ottawa Senators, Quebec Bulldogs und die Montreal Wanderers. Im Laufe von 63 Jahren stieg die Zahl der Franchises auf 21. Zwischen 1991 und 1993 kamen fünf weitere Teams hinzu, so dass man auf 26 Clubs kam, wobei acht davon in Kanada ansässig waren. Innerhalb von weiteren vier Jahren entschwanden zwei Franchises (Quebec, Winnipeg) gen USA. Die Amerikanisierung der Teams kam in die Gänge. Am 25. Juni '97 war es wieder so weit: Der Commissioner der NHL, Gary Bettman, gab die Städte, bzw. Besitzer bekannt, die den Zuschlag für die vier neuen Franchises erhalten: Atlanta (Georgia), Columbus (Ohio), Nashville (Tennesse) und Minneapolis-St. Paul (Minnesota). Kein kanadisches Team. Die Bewerbung aus Hamilton wurde gnadenlos abgeschmettert.

Warum gerade diese Städte?

Im Rennen waren auch Städte wie Houston, San Francisco oder Oklahoma City, wobei die erste und letzte die besten Chancen gehabt hätten. Aus Houston lagen drei Bewerbungen vor, doch im elfgrößtem TV-Markt der USA wollte keiner ein neues Stadion errichten lassen; damit war Houston aus dem Rennen. Mr. Alexander, der Besitzer der Houston Rockets, einem NBA-Team, möchte aber dennoch weiterhin ein Team in die texanische Metropole locken - er favorisiert ein Team aus Kanada, wie Edmonton, Calgary oder Vancouver zu kaufen und umzusiedeln.

Die vier verbliebenen Städte haben, in den Augen der NHL-Strategen, die besseren Voraussetzungen. Nashville, die unter dem Namen "Predators" schon in der kommenden Saison am Spielbetrieb teilnehmen werden, hat zwar lediglich den 33.-größten Fernsehmarkt der USA, dafür steht dort seit Ende '96 ein neues, fertiges Stadion. Desweiteren möchte man die Promotion Hand in Hand mit der Country-Musik-Branche durchziehen, wozu man auch schon örtliche Berühmtheiten wie Garth Brooks, Amy Grant oder Vince Gill verpflichtet hat. Außerdem wollte man sich diesen Markt nicht von der NFL (Football) wegschnappen lassen, die dort für 1999 eine Expansion vorgesehen hat. Die Teamfarben Dunkelblau, Silber, Orange und Gold sollen für - zumindest komerziellen - Erfolg sorgen.

Ein Jahr später - also 1999/2000 - werden die Atlanta Trashers zu spielen beginnen. Hinter diesem Team steht TBS (Turner Broadcasting System), ein 100%iges Tochterunternehmen von Time Warner Inc., dem größten Medienkonzern der Welt. Dieses Duo besitzt auch die beiden anderen Major-League-Teams der Stadt - die Braves (MLB) und die Hawks (NBA). Die NHL sieht Atlanta als Kernstück ihrer Expansion an, denn hier stimmt einfach alles: Der für die Expansions-Entscheidungen so wichtige TV-Markt ist hier vorhanden (Nr. 10 der USA), Besitzer Ted Turner lässt seit dem 26. Juli '97 ein neues Stadion genau in der Stadtmitte errichten und zudem sind die Atlanta-Einwohner ein ziemlich sportbegeisterungsfähiges Publikum. Als nettes Plus für die NHL hat man noch eine zusätzliche Partnerschaft mit einem weiteren Medienkonzern - nach Disney (Anaheim), COMSAT (Colorado), Viacom (NY Rangers) und Blockbuster Entertainment (Florida).

2000/01 werden die Columbus Blue Jackets starten. Die Stadt belegt zwar auf der Fernsehmarkttabelle gerade einmal den Platz Nummer 34, aber hinter dem Team der milliardenschwere Besitzer von Worthington Industries, John H. McConnell, steht. Ausschlaggebend war allerdings auch, dass die potentielle Fangemeinde enorm Groß ist, denn im Radius von eienr Autostunde leben sieben Millionen Menschen, die sich dann voll und ganz auf das neue NHL-Team konzentrieren können, denn die Blue Jackets, welche in föderalistischem Blau, patriotischem Rot und Lindengrün spielen werden, sind das einzige Major-Sports-Team der Stadt.

Zeitgleich wird auch das "Twin Cities"-Team ("Twin Cities" sind die benachbarten Städte St. Paul und Minneapolis in Bundesstaat Minnesota) an den Start gehen. Die Duo-Stadt hatte zwar von 1967 - bis '93 ein Eishockey-Team (die Northstars), doch man verlor es nach Dallas. Maßgebend für die Entscheidung pro "Twin Cities" war, dass ein neues Stadion errichet wird, der Fernsehmarkt hervorragend ist (Nr. 14) und dass das 14-köpfige Besitzerkonsortium auf soliden ökonomischen Beinen steht. Der Name wurde von tausenden von Fans bestimmt - "Wild" hatte das Rennen vor Northern Lights, Blue Ox, Wild, White Bears, Freeze und Voyageurs gemacht.

Man sieht aus den Entscheidungsfaktoren, dass die NHL aus der letzten Expansion gelernt hatte. Damals mussten die Sharks zwei Jahre lang im Cow Palace spielen, einer Halle die mit 10.000 Plätzen für NHL-Maße lächerlich war. Die Besitzer der Florida Panthers kamen nach nur zwei Jahren schon in einen, wenn auch nur kleinen, finanziellen Engpass.

Wie bekommen die Teams ihre Spieler?

Wie in den Major-Leagues der Staaten üblich findet Monate vor dem Saisonstart ein Expansion Draft statt. Das neue Team kann sich von jedem bereits bestehenden Team einen Spieler auswählen, doch hier gibt es einige Regeln, die zu beachten wären: Jedes Team kann entweder nach Plan A (9 Stürmer, 5 Verteidiger, 1 Torhüter) oder nach Plan B (7 Stürmer, 3 Verteidiger, 2 Torhüter) einige Spieler schützen, so dass diese nicht weggenommen werden dürfen. Speziell für den Expansion Draft 1998 der Nashville Predators darf jedes Team einen Feldspieler zusätzlich schützen. Spieler, die in ihrem ersten oder zweiten NHL-Jahr sind, gelten automatisch als geschützt.

Auch beim Entry Draft bekommen die Expansion Teams in den jeweiligen Jahren gute Startbedingungen. 1998 werden die Predators aus Nashville entweder als Nummer eins, zwei oder drei ziehen dürfen - je nachdem, wie die Draft Lottery ausfällt. Gleiches gilt auch für die Atlanta Trashers 1999. Im Jahre 2000 werden sich die Teams aus Minneapolis-St. Paul und Columbus auf den Draft Plätzen eins bis vier wiederfinden - je nach Ausgang der Lottery.

Wie verändern sich die Strukturen der NHL?

Sowohl in der Eastern als auch in der Western Conference wird es eine neue Divison geben: Im Osten die Southeast, im Westen die Northwest. Das Schema zeigt den Liga-Aufbau zur Saison 2000/01:

Eastern Conference

Northeast Divison

Boston Bruins

Buffalo Sabres

Montreal Canadiens

Ottawa Senators

Toronto Maple Leafs

Atlantic Division

New Jersey Devils

New York Islanders

New York Rangers

Philadelphia Flyers

Pittbsburgh Penguins

Southeast Division

Atlanta Trashers

Carolina Hurricanes

Florida Panthers

Tampa Bay Lightning

Washington Capitals

 

Western Conference

Central Divison

Chicago Blackhawks

Columbus Blue Jackets

Detroit Red Wings
Nashville Predators

St. Louis Blues

Northwest Division

Calgary Flames

Colorado Avalanche

Edmonton Oilers

Minnesota Wild

Vancouver Canucks

Pacific Division

Anaheim Mighty Ducks

Dallas Stars

Los Angeles Kings

Phoenix Coyotes

San Jose Sharks

Welche Gefahren birgt die Expansion?

Man möchte die Staaten dichter mit Eishockey übersähen, so dass man noch mehr aus TV-Verträgen quetschen kann. Aber: Kann eine Liga, die sowieso schon unter zuviel Defensiv- und zuweing Offensiv-Eishockey leidet, vier neue Teams verkraften, die dann zusammen 92 neue Spieler brauchen? Gary Bettman, der seit 1993 herrschende Commissioner, sagte dazu, dass die NHL die einzige nordamerikanische Profi-Liga sei, die sich Spieler aus der ganzen Welt holen kann. Die NFL hat jetzt schon 30 Teams und expandiert, aber sie kann sich nur Spieler aus den Colleges der USA holen. Mit Nuancen abgestuft gilt dies auch für die NBA, die 29 Teams hat. Desweiteren sind die Zahlen der Nachwuchsaktiven in den USA beim Eishockey am Steigen, angeregt durch den Street-Hockey-Boom im Sun-Belt.

Aus finanzieller Sicht lohnt sich die Expansion auf jeden Fall, den jedes neue Team bringt 80 Millionen Dollar ein, die dann an die 26 derzeitigen Clubs verteilt werden. Auch die neuen Farben und Logos sind designiert für den Merchandising-Erfolg, den auch die Sharks 1991 und die Ducks 1993 hatten.