4. Auf dem Weg zum Erfolg - die zweite Generation 1956 - 1957
Für das Modelljahr 1956 bekam die Corvette nun bündig mit
der Karosserie abschließende Heckleuchten und konkave Bögen hinter den
vorderen Radhäusern, die sich bis in die Türen fortsetzten.
Erstmals wurde auch bereits der neue V8-Motor überarbeitet. Duntov
spendierte ihm eine neue Nockenwelle, einen Ansaugkrümmer aus
Aluminiumguß und Doppelvergaser. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen:
225 bis 240 PS und ein maximales Drehmoment von 366 Nm bei 3600 U/min.
Endlich gab es den Wagen nun auch mit einem mechanischen
Dreiganggetriebe - die Automatik wurde aber nach wie vor gegen Aufpreis
angeboten.
Mit diesen Modifikationen konnte man die Corvette nun als echten
Sportwagen bezeichnen. Die Beschleunigung auf 60 mph schaffte sie nun in
7,3 Sekunden und mit den Hochleistungsreifen war eine Spitze von 210
km/h möglich.
Corvette 1957
Kritikpunkte waren aber nach wie vor die schlechte Sitzposition, das
stark untersteuernde Fahrverhalten und vor allem die Bremsen, die unter
starkem Fading litten, das fast bis zum totalen Ausfall der Bremsanlage
führen konnte.
1956 wurde die Corvette auch erstmals in Autorennen eingesetzt. Bei
den Pebble-Beach-Rennen gelang es trotz Erkrankung des vorgesehenen
Fahrers Walt Hansgen seinem Ersatzfahrer, dem Chevrolet-unerfahrenen
Piloten Dr. Dick Thompson, einen zweiten Platz im Gesamtklassement
(hinter einem Mercedes 300 SL) und einen ersten Platz in der Klasse
einzufahren. Der Gesamtsieg wurde durch Bremsenprobleme knapp verpaßt.
Die Modifikationen und die Rennerfolge verhalfen der Corvette 1956
zu immerhin 3.467 verkauften Exemplaren.
Das Jahr 1957 erlebte die Corvette optisch weitgehend unverändert.
Eine Revolution gab es allerdings unter der Motorhaube: Trotz enormen
Kostendrucks setzte Duntov eine neue Erfindung durch: die
Benzineinspritzung. Mit dieser technischen Neuerung wollte sich
Chevrolet gegen die angekündigte Flut neuer Modelle von Ford und
Plymouth behaupten.
So bot Chevrolet im neuem Modelljahr vier Motorversionen an: Den auf
4,6 Liter Hubraum vergrößerten V8 mit einem Vergaser und 220 PS, mit
Doppelvergaser und 270 PS und mit Einspritzung und 250 bzw. 283 PS. Die
Fahrleistungen unterschieden sich nicht gravierend. Jedoch war das
Ansprechverhalten des neuen Einspritzers deutlich besser als das des
Vergasermotors.
Diese Maßnahmen ließen die Verkaufszahlen abermals deutlich in die
Höhe schnellen: auf nunmehr 6339 Einheiten!
Kurz erwähnt sei hier noch eine Rennversion, die Corvette SS. Mit
einem leistungsgesteigerten Motor (310 PS), einem Leergewicht von nur
840 kg und einem mechanischen 4-Gang-Getriebe sollte sie für Erfolge im
Rennsport sorgen. Doch bevor sie noch richtig zum Zuge kam, kam von der
amerikanischen Regierung ein Erlaß, der jede Beteiligung an
motorsportlichen Wettbewerben untersagte. Auch die American
Manufacturers Association (AMA) schloß sich diesem Erlaß an und
untersagte zusätzlich noch jegliche Werbung, die irgend etwas mit Sport
oder Leistung zu tun hatte.