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Büssing würde gerne zugreifen. Das Herstellen und Installieren von Eisenteilen ist Schmiede- und Mechanikerarbeit! Auf seiner Wanderschaft hat er schon bei der Eisenbahn gearbeitet, während der beiden Angestelltenzeiten bei Clauss hat er sich weiteres theoretisches und konstrukteursmäßiges Wissen angeeignet. Außerdem erkennt Büssing, daß man immer mehr Eisenbahnen bauen wird, daß hier also - anders als mit Fahrrädern oder diffusen Maschinenbauplänen - wirklich Geld zu verdienen ist. Und er ist durchaus bereit, sich in diese neue Technologie einzuarbeiten.
Was unserem hoffnungsfrohen Unternehmer leider gänzlich fehlt, ist das Kapital. Denn das ist jetzt ein etwas größerer Stil - eine Bahngesellschaft braucht ja nicht einen Stellhebel oder fünf, sondern ein paar hundert, man muß Rohstoffe in großer Menge vorrätig halten, es werden größere Räume benötigt, und Mitarbeiter müssen bezahlt werden, bevor das Geld für eine Lieferung hereinkommt. Für Büssing stellt sich allerdings die Frage nach der Größenordnung nicht wirklich - er hat nämlich ÜBERHAUPT kein Geld!
Auf die Idee, sich das Geld bei einer Bank zu leihen, kommt Büssing gar nicht - damals machen Banken keine Geschäfte mit Kleingewerbetreibenden, schon gar keine Kreditgeschäfte.
Da springt mit einem kleinen Vermögen der Eisenbahnbeamte Gustav Ungnade ein (der Mann heißt wirklich so). Er leiht das Geld aber nicht, sondern er tritt als Teilhaber in das Unternehmen ein, beteiligt sich aber nicht an der Geschäftsführung. Was die beiden bilden, würde man heute eine Kommanditgesellschaft nennen - Büssing ist der Komplementär, der vollhaftende und geschäftsführende Unternehmer, und Ungnade der Kommanditist, der Kapitalgeber. Anders als heute wird damals die Firma nach dem Kapitalgeber benannt - sie heißt also Eisenbahnsignalbauanstalt Gustav Ungnade & Co, obwohl Ungnade nicht in dem Unternehmen mitarbeitet.
Ein bißchen Glück gehört auch zum erfolgreichen Unternehmertum - und dieses Glück haben die beiden Männer jetzt. Büssing findet bei der Montage der englischen Stellwerksanlagen heraus, daß diese nur wenig taugen und verbessert sie. Das festigt seinen Ruf. Nun werden ihm auch direkt Aufträge zur Herstellung übertragen, und innerhalb eines Jahres wächst das Unternehmen von 3 auf 30 Mitarbeiter
1871 geht der Deutsch-Französische Krieg siegreich zuende, und über das jetzt vereinigte Deutschland regnet der Segen französischen Goldes herab, das die Franzosen als Reparation zahlen müssen. Es beginnen die sog. "Gründerjahre", überall wird gebaut, und natürlich auch Eisenbahnen mit ihren Stellwerken.
Was Büssing und auch Ungnade unterschätzt
haben, ist, daß ein großes Unternehmen immer eine gewissen
Anlaufzeit
braucht
Man kann damit rechnen, daß die ersten drei bis fünf Jahre nur
Verluste gemacht werden - die neu erworbenen Gebäude und Maschinen
müssen abbezahlt werden, die Produkte müssen am Markt etabliert
werden, manche Fehler und Rückschläge sind zu korrigieren. Für
die Überbrückung dieser Anlaufzeit reicht aber Ungnades Kapital
nicht - auch Büssings viertes Unternehmen droht in Konkurs zu gehen.
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