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Die
Harzlinien
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Im Gegensatz zu vielen anderen Erfindungen
und Entwicklungen scheint der Omnibus genau zur richtigen Zeit zu kommen.
Innerhalb der Städte ist zunächst
noch kein Bedarf daran; kurze Wege werden zu Fuß erledigt, für
längere gibt es die Straßenbahn, die auch in Braunschweig vorhanden
ist.
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Die Braunschweiger Elektrische
auf der Wolfenbütteler Straße
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Zwischen größeren Städten
verkehrt die Eisenbahn, und auch auf dem Lande gibt es eine Vielzahl von
Kleinbahnen. Das Herzogtum Braunschweig ist zu jener Zeit das Land mit
dem dichtesten Eisenbahnnetz im Deutschen Reich (nur nach Wendeburg führt
eben keine Bahnlinie) - hier braucht man also den Bus auch nicht.
Der Beginn des neuen Jahrhunderts ist aber
eine Zeit, in der sich die Freizeit der Menschen allmählich erweitert.
War vor der Jahrhundertwende das Wort Urlaub für Arbeiter unbekannt,
so werden jetzt immer öfter mal zwei, mal drei Tage Urlaub im Jahr
gewährt. Auch die Arbeitszeit an Wochenenden wird kürzer. Gleichzeitig
nehmen die Entfernungen zu - wenn man früher "ins Grüne" wollte,
reichte es in Braunschweig bis zum Leonhardplatz am Rand der heutigen Innenstadt
zu gehen. Jetzt ist dort aber alles bebaut, die Erholungsgebiete fangen
also erst an Stellen an, die man nicht so ohne weiteres zu Fuß erreichen
kann. Oft hilft auch hier die Straßenbahn weiter, die Riddagshausen
oder das Sternhaus bei Wolfenbüttel erreicht, aber nicht immer. Vor
allem der Harz ist eisenbahnmäßig nicht erschlossen, die Eisenbahn
hört an seinem Fuß in Bad Harzburg auf.
Schön ist es natürlich,
wenn man in einer Omnibus-Fabrik arbeitet - hier die Firma Büssing
auf einem Betriebsausflug in den Harz. Vorne an der Motorhaube der Chef
höchstselbst.
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Aber nicht jeder arbeitet bei Büssing
und hat für Ausflüge den Firmenwagen - nicht umsonst legt also
Büssing seine neuen Omnibuslinien in und über den Harz und erschließt
damit ein neues Freizeitgebiet.
Er tut damit aber nicht nur den Erholungssuchenden
Braunschweigs einen Gefallen, sondern auch den Menschen auf dem Harz. Der
Harz ist nicht nur ein Wald-, sondern auch ein Bergbaugebiet, in dem auf
Silber und auf Buntmetalle gegraben wird. Seit Jahrzehnten ist der Bergbau
im Niedergang, weil die Gruben erschöpft sind oder der Abbau nicht
mehr lohnend ist. Es drohen also Arbeitslosigkeit und Verarmung. Und in
diesem Moment kommt der Omnibus und eröffnet einen neuen Erwerbszweig,
den, wie man es damals nannte, Fremdenverkehr. Wir nennen es Tourismus,
und davon lebt der Harz im Wesentlichen bis heute.
Ein Büssing-Bus mit Ausflüglern
auf dem Torfhaus

Aus diesem Liniensystem entsteht die Kraftverkehrsgesellschaft
Braunschweig - kurz KVG - die heute noch als Teil der Mundstock - Gruppe
besteht. Das Bild entstand in den 1980er Jahren auf dem alten Braunschweiger
Busbahnhof an der Hauptpost.