BUESSING
Ein Artikel in der "Illustrirten Zeitung"

Illustrirte Zeitung 1913
1913 erscheint eine Reihe von Sonderheften der Illustrirten Zeitung über die Staaten des Deutschen Reiches, darunter im November auch ein Heft über das damalige Herzogtum Braunschweig.

In diesem Heft wird auch über die braunschweiger Wirtschaft berichtet, u.a. in einem Artikel über die Büssing-Werke.

Alles ist schön, ein Erfolg reiht sich an den anderen, die Technik schreitet fort, die Handelbeziehungen breiten sich über die ganze Welt aus.

Daß noch nicht ein Jahr später die "Kaiserl. russische Heeresverwaltung", die so gerne Büssing-LKWs kauft, zu Deutschlands Todfeinden gehören wird, stellt sich noch niemand so richtig vor ...

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Nachdem das Personenfahrzeug im Anfang diesos Jahrhunderts in immer weiteren Kreisen Eingang fand, hat der Lastkraftwagen dagegen mit sehr großen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, da hier die Frage der Wirtschaftlichkeit eine große Rolle spielt. Eine Wirtschaftlichkeit des Motorlastwagenbetriebes kann aber nur erzielt werden, wenn das Fahrzeug unausgesetzt in Betrieb ist, und nicht größere Betriebsstörungen dies illusorisch machen. Dieses Ziel zu erreichen, war der Grundsatz der Firma H. Büssing, Braunschweig, die im Jahre 1903 von dem jetzigen Senior-Chef Dr. Ing. h. c. Heinrich Büssing gegründet wurde, und sich im Bau von Motorlastwagen und Omnibussen spezialisierto. Hierdurch war es ihr möglich, ihre ganze Kraft ausschließlich dieser Aufgabe zu widmen.
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Der erste Lastkraftwagen wurde bereits im Jahre 1903 fertiggestellt, während der erste Omnibus im darauffolgenden Jahre herausgebracht wurde. Nach gründlicher Erprobung im eigenen Betriebe wurde letzterer dem öffentlichen Verkehr übergeben. Schon dieses Fahrzeug gibt ein deutliches Bild von der Zweckmäßigkeit der Büssingschen Konstruktion, denn der Omnibus ist heute, also nach 9 Jahren, noch in Betrieb.
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Die deutsche Industrie brachte jedoch diesem neuen Transportmittel nur ein geringes Interesse und Vertrauen entgegen, wodurch nur ein verhältnismäßig geringer Absatz im eigenen Lande zu erzielen war. Diese Abneigung gegen den motorischen Betrieb ist in der Hauptsache darauf zurückzuführen, daß von vielen industriellen Werken, wie Ziegeleien, Brauereien und dergl., wo die Verringerung der Transportkosten eine Lebensfrage ist, der Motorlastwagen bereits zu einer Zeit aufgenommen wurde, als sich dieser selbst noch in den ersten Stadien seiner Entwicklung befand und größtenteils noch vom Luxuswagenbau beeinflußt wurde, die Betriebsergebnisse dementsprechend ungünstige waren, wodurch die Verbraucher abgeschreckt wurden.
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Die hierdurch erfolgte Verschlechterung des deutschen Marktes kam gleichzeitig mit dem außerordentlichen Anwachsen des englischen Geschäftes, wohin bereits im Jahre 1904 auf Grund der guten Erfolge bei den englischen Lastwagen-Konkurrenzen Lieferungen erfolgt waren. Die dort mit den ersten Büssing-Fahrzeugen erzielten Ergebnisse veranlaßten in kurzer Zeit größere Serien-Bestellungen, die schließlich die Abgabe einer Lizenz an die Firma Sydley, Straker & Squire Ltd., London, notwendig machten. Welchen Beifall die Büssingsche Konstruktion in England fand, beweist die Tatsache, daß von den in London laufenden Auto-Omnibussen über 300 Büssingscher Bauart waren. Nachdem die Büssing-Wagen den Beweis ihrer vorzüglichen Konstruktion bei der im Jahre 1905 stattgefundenen deutschen Lastwagenkonkurrenz auch der deutschen Industrie gegeniiber erbracht hatten, fanden sie auch hier in immer größerem Maße Eingang.
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Unausgesetzt strebte die Firma unter Nutzanwendung ihrer auf diesem Gebiete gesammelten reichen Erfahrungen dahin, die neuesten Fortschritte der Technik bei Herstellung und Konstruktion ihrer Fnhrzeuge sich dienstbar zu machen, um ihre Leistungen und Dauerhaftigkeit immer mehr zu erhöhen. Um ihre Fahrzeuge den Bedürfnissen des praktischen Verfrachtungswesens in jeder Weise anzupassen, richtete sie eigene Betriebsgesellschaften ein, denen eine große Anzahl von Motorlastwagen und Omnibussen überwiesen wurden. Den auf diese Weise gesammelten Erfahrungen ist es zu danken, daß die Büssing-Fahrzeuge sowohl in technischer wie in wirtschaftlicher Beziehung ihre allseitig anerkannte Vollkommenheit erlangen konnten. Eine wesentliche Unterstützung erhielt die Lastwagen-lndustrie durch die Subventionierung von Motorlastwagen seitens der deutschen Heeresverwaltung, und hier gehörte die Firma H. Büssing zu den Firmen, deren Fahrzeuge zuerst subventioniert wurden. Durch die Subventionierung wurde den Käufern die Anschaffung eines Motorlastwagens erheblich erleichtert, da sie von der Heeresverwaltung nicht unbedeutende Geldbeihilfe erhielten.
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Diese Art der Subventionierung wurde nunmehr auch von anderen Staaten, wie Bayern, Österreich und Ungarn übernommen, und hier war wieder die Konstruktion Büssing in ganz besonderem Maße beteiligt. So sind von den in Preußen subventionierten Wagen ca. 18%, in Bayern 33%, in Österreich 44% und in Ungarn sogar 100% Büssing - Wagen. Das Büssing- Fabrikat ist das einzige Fabrikat, das gleichzeitig in den obigen vier Staaten subventioniert ist. Einen sehr ehrenden Auftrag erhielt die Firma im Jahre 1911 von der preußischen Heeresverwaltung, als sich diese entschloß, mit Ablauf der ersten 5jährigen Subventionsperiode, d. h. vom 1. April 1913 ab, zu einom etwas leichteren Typ überzugehen. Der Bau des Probewagens für diesen neuen Typ wurde der Firma Büssing übertragen, der sich sowohl während der über 2000 km führenden Prüfungsfahrt, als auch während der direkt im Anschluß an dieser Fahrt vergenommenen Prüfung im Laboratorium der Technischen Hochschule in Charlottenburg, ausgezeichnet bewährt hat. Veröffentlicht sind diese Untersuchungen in dem hochinteressanten Werk "Wissenschaftliche Automobilwertung" von Geheimrat Prof. Dr. Riedler, in dem die vorzüglichen Ergebnisse näher besprochen werden. - Ferner hat die russische Heeresverwaltung größere Ankäufe von Büssing- Wagen vorgenommen, die anläßlich der im vorigen Herbst stattgefundenen Militärlastwagen-Prüfungsfahrt allgemeinen Anklang bei den russischen Behörden gefunden haben. Die teilnehmenden Büssing - Wagen wurden mit dem höchsten Prädikat "Ausgezeichnet" bewertet und von der Regierung angekauft. - Auch die königl. niederländische Heeresverwaltung hat auf Grund umfangreicher Versuche mit Büssing-Fahrzeugen in den niederländischen indischen Kolonien und der hierbei erzielten Leistungen eine größere Anzahl Büssing-Wagen bestellt. Die an der im April ds. Js. stattgefundenen Niederländischen Konkurrenzfahrt teilnehmenden Büssing- Wagen haben diese Fahrt mit größtem Erfolg und strafpunktfrei absolviert. Einen neuen Erfolg errang die Firma auf der diesjährigen Int. Automobil-AussteIlung St. Petersburg, wo die beiden Büssing-Fahrzeuge mit der "Großen Goldenen Medaille des Kaiserl. russischen Kriegsministeriums" ausgezeichnet wurden. Trotz der seit der Gründung wiederholt erfolgten Vergrößerungen des Werkes konnte dieses den Anforderungen des Marktes nur durch Abgabe weiterer Lizenzen gerecht werden, und zwar einmal an die Firma Waggonfabrik Josef Rathgeber in München-Moosach für Bayern; ferner an die Firma A.Fross, (Stefan von Götz & Söhne) in Wien XX/1 für Österreich und an die Firma Ganz & Comp. in Budarest für Ungarn. - Nachdem die Firma so ihren Ruf im eigenen Lande wie im engeren Auslande gefestigt hatte, richtete sie ihr Augenmerk auch auf den Absatz ihrer Erzeugnisse nach Übersee und dem weiteren Auslande. Es wurden in den letzten .Jahren überall Vertretungen eingerichtet, und es erfolgten bald größere Lieferungen nach Nord-Amerika, Süd-Amerika, Indien und Sibirien sowie auch nach Afrika. Die Büssing-Wagen bewähren sich trotz der in den obigen Ländern noch meist vorhandenen schlechten Straßen ausgezeichnet.
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Die Motoromnibus- Fabrikation wird wesent.lich unterstützt durch eine eigene Betriebsgesellschaft, die etwa 14 Linien im Harze betreibt und die dabei gesammelten Erfahrungen der Fabrikation dienstbar macht, so daß die Konstruktion als auch die Innenausstattung und Ausführung der Karosserien in Bezug auf Sitzeinteilung usw. als vorbildlich zu nennen sind und den Wünschen des reisenden Publikums in jeder Beziehung Rechnung tragen. - Nachdem der Motorlastwagen auf allen Gehieten seine fast unbegrenzte Verwendbarkeit erwiesen hat, hat er in den meisten Industrien Eingang gefunden, und besonders die Büssing-Fahrzeuge erfreuen sich sehr großer Beliebtheit infolge ihrer konstruktiven Durchbildung, Betriebssicherheit und Wirtschaftlichkeit.
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Neben den normalen Lastkraftwagen und Motoromnibussen baut die Firma Büssing auch noch alle Arten von Spezialfahrzeugen, wie automobile Feuerwehrfahrzeuge, Sprengwagen, Fäkalien- und Müllabfuhrwagen, Kippwagen, Tankwagen, Kadavertransportwagen und ähnliches.
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Der Grundsatz der Firma H. Büssing, einzig und allein Lastkraftwagen und Motoromnibusse herzustellen, hat seine glänzenden. Früchte getragen, und mit Genugtuung kann sie auf die in der kurzen Spanne Zeit seit ihrer Gründung geleistete Arbeit zurückblicken. Viele Auszeichnungen und. Anerkennungen dokumentieren den errungenen Erfolg, und ganz besonders die Auszeichnung mit der Preußischen Staats-Medaille in Gold würdigt die Verdienste der Firma um die Lastwagen-Industrie und das Militär-Lastkraftfahrwesen.
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