BUESSING
Der "Schwarze Freitag"
und die Weltwirtschaftskrise


Die Weltwirtschaftskrise hat ihren Ursprung in den USA. Sie beginnt am 25.10.1929, dem sogenannten "schwarzen Freitag." An diesem Tag gibt es an der New Yorker Börse einen erdrutschartigen Absturz - die Kurse fallen an einem Tag um die Hälfte.
 
Boerse New York
Der 25. Oktober 1929, der "Schwarze Freitag" in New York. Das Publikum stürmt die Börse.
Die Ursache dieses Börsencrashs liegt in den 1920er Jahren. Nach dem 1. Weltkrieg werden die USA zur reichsten Nation der Welt und bauen ihre Industrieanlagen in großem Maße aus. Mit Hilfe von Kriegsschulden anderer Länder (z.B. Deutschland) und staatlich geförderten Krediten wird stark in die Erweiterung und Modernisierung der Produktion investiert. Es werden langlebige Produkte (wie z.B. Autos, Haushaltsgeräte, usw.) in Massen hergestellt.

Durch Erhöhung der Zahl der Beschäftigten und der Löhne ist zunächst genügend Kaufkraft vorhanden, um die ständig steigende Produktion abzunehmen. Die mächtig anschwellende Reklame weckt immerzu neuen Bedarf in der Bevölkerung; "bequeme" Ratenzahlung verlockt zum Warenkauf. Diese Entwicklung verführt weite Kreise des amerikanischen Volkes zu der Hoffnung, das Wirtschaftswachstum würde andauern und es setzt eine wilde Aktienspekulation ein.

Der Aufschwung endet jedoch mit einer Überproduktionskrise. Die Massenproduktion ist zu sehr ausgeweitet worden; Farmer und Industrielle können ihre Waren nicht mehr verkaufen, die Nachfrage sinkt und der Markt ist vollkommen übersättigt. Dies hat eine Preissenkung aller Waren in allen Bereichen zur Folge. Die Produktion wird immer weiter eingeschränkt, sodaß es überall zu Entlassungen kommt. Auf Grund der Konkursmeldungen und der Gewinneinbußen vieler Firmen verkaufen die Aktionäre der New Yorker Börse panikartig ihre Aktien, weil ihre Geldgeber auch ihre geliehenen Gelder zurückverlangen. Die Banken und Sparkassen werden als Kreditgeber mit in den Sturz hineingerissen. Die Sparer fordern ihre Einlagen zurück. Viele Banken brechen zusammen und die meisten Sparer verlieren ihr Geld. Durch die Stilllegung vieler Betriebe kommt es zu einer Welle von Arbeitslosigkeit, bis schließlich 12 Millionen Amerikaner arbeitslos sind. Die Produktion in den USA sinkt bis zum Jahr 1932 auf 48 % derjenigen des Jahres 1929.

Dieser "schwarze Freitag" hat natürlich Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft. Die meisten Industrieländer sind wirtschaftlich eng miteinander verbunden. Rohstoffländer verlieren ihren Absatzmarkt, die Einfuhr von Industrieerzeugnissen sinkt rapide und der Welthandel beginnt zu schrumpfen. Die Ausfuhr wird gefördert, die Einfuhr hingegen eingeschränkt, um die Wirtschaft im eigenen Land wieder anzukurbeln. Zu einer weltweiten Wirtschaftskatastrophe wird die Krise schließlich dadurch, daß die großen amerikanischen Kredite aus dem Ausland zurückgezogen werden, weil die USA neues Kapital brauchen. Diese Kredite jedoch dienen den meisten Ländern als "Lebensspender," wie z.B. Deutschland und Österreich. Beiden Ländern fehlen die finanziellen Reserven. Zudem ist Deutschland noch durch die Inflation geschwächt, sodaß der Geschäftsrückgang, der Gehaltsabbau und die daraus folgende Arbeitslosigkeit nicht mehr aufgehalten werden können. Die industrielle Produktion sinkt auf 60%  ihres Standes von 1928, die Zahl der Arbeitslosen steigt von 2,8 Millionen im Januar 1928 auf 6 Millionen im Januar 1932: Jeder Dritte ist arbeitslos.
 
Schwarzer Freitag Berlin
Angst um das Ersparte: Andrang bei der Postsparkasse in Berlin 1931
Einer von Millionen Arbeitslosen.

Es gibt zwar seit 1927 in Deutschland eine Arbeitslosenversicherung, aber die Leistungen sind gering und zeitlich begrenzt. Und je besser es den Menschen vorher gegangen war, desto schlechter geht es ihnen jetzt - ehemals Selbstständige erhalten natürlich keine Leistungen aus dieser Versicherung.

Nehme jede Arbeit an
Arbeitslose
Maßnahme des Berliner Senats - er stellt Tische und Bänke zum Kartenspielen für die Arbeitslosen auf!

Diese Entwicklung in der Weltwirtschaft bleibt natürlich nicht ohne Folgen für die Politik. Der Staatshaushalt in Deutschland soll durch Kürzungen in allen Bereichen und Anhebung der Steuern wieder ausgeglichen werden. Als Folge der Wirtschaftskrise verschärfen sich die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Spannungen in  Deutschland.


Lion
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