"Heinrich Büssing hat durch
sein Leben und sein Schaffen ein großartiges Beispiel für die
Möglichkeiten aufgestellt, die auch noch unsere hastende Zeit dem
einzelnen Menschen zur Entfaltung seiner Persönlichkeit bietet.
Hohe Begabung, sicheres Gefühl für
den Wert der Menschen und der Dinge, ein fester Wille und das Glücksgeschenk
einer unerschütterlichen Gesundheit haben ihn aus bescheidenen Anfängen
zu Leistungen und Erfolgen geführt, die ihre Kraft weit über
seinen Tod hinaus bewahrt haben.
Die besonder Richtung seines Schaffens,
seine eigentliche "Liebe", hat auf dem langen Wege seiner menschlichen
und beruflichen Entwicklung immer wieder dem Verkehr gegolten. Mit "Velocipedes"
hat er angefangen. Dann hat er sich ganz dem Eisenbahnsicherungswesen verschrieben,
ist dort nach kurzer Zeit an führende Stelle getreten, hat den Auftrieb
der deutschen Eisenbahnen mächtig gefördert und hat zugleich
- in gerechtem Geben und Nehmen - durch diesen Auftrieb sein eigenes Unternehmen
schnell vorangebracht. Das hat ihm die Zeit vom 30. bis zum 60. Lebensjahr
ausgefüllt, nach gewöhnlichen Maßstäben die volle,
reiche Leistung eines Menschenlebens.
Mit 60 Jahren hat er ein zweites Leben
begonnen. Wiederum und nun erst recht widmete er es dem Dienst an der Entwicklung
des Verkehrs. Auf diesem Gebiet, dem Nutzwagenbau, hat er in weiteren fünfundzwanzig
Jahren die Erfolge und Anerkennungen errungen, die seinen Namen über
die ganze Erde bekanntgemacht haben.
Dieses lebenslange Schaffen im Dienst einer
immer gleichen Sache kennzeichnet eine bestimmte geistige Einstellung zu
den menschlichen Nöten und Aufgaben seiner Zeit. Und diese Einstellung
ordnet auch den Menschen Heinrich Büssing - unabhängig von seiner
überragenden Bedeutung als Ingenieur - in die Reihe der großen
Vorkämpfer der technischen Entwicklung des 20. Jahrhunderts ein.
Alle diese Männer haben ihre entscheidenden
Antriebe nicht vom Erwerbssinn her empfangen - den sie hätten sie
auf weniger dornenvollen Wegen leichter und ergiebiger betätigen können
- sie alle haben, bewußt oder unbewußt, dem allgemein-menschlichen
Streben ihrer Zeit dienen wollen, das auf Befreiung der Menschheit von
den Fesseln der Natur gerichtet war. Auf vielen Wegen sind sie zum
gemeinsamen Ziel geschritten: Die einen wollten die Menschen von aller
schweren körperlichen Arbeit entlasten, die Muskelkraft durch Maschinenkraft
ersetzen, die Nutzleistung des menschlichen Tuns vervielfachen; die anderen
wollten den Wirkungs- und Erlebnisbereich der Menschen ausweiten durch
Verbessern und Beschleunigen der Nachrichtenübermittlung, der Warenbewegung
und des Reisens; sie alle wollten den Menschen Freiheit spenden zu einem
"zweiten Leben" der Muße und Erholung; sie alle fühlten sich,
und zwar mit Recht, dicht vor der Erfüllung des alten Menschheitstraums
vom Fliegen.