Schon lange vor d\em spektakulären Sieg des Eigenbau-Chapparal mit automatischem Getriebe in Sebring war den Fachleuten klargeworden, daß die Zeit des handgeschalteten Getriebes im Rennwagenbau ihrem Ende zugeht. Begünstigt und beschleunigt wird der Entschluß zum automatischen Getriebe ganz sicher durch die ab 1966 geltende Formell, deren Dreiliter-Motoren durch entsprechend hohe Leistungen auch einen Wirkungsgradverlust ausgleichen kännen. Lotus-Chef Colin Chapman sagte dem "mechanischen" Getriebe sd1on vor längerer Zeit den baldigen Tod im Rennwagen voraus, aber ganz so schnell ging 
es doch nicht. Daß das automatisch geschaltete Getriebe auch beim Serien-Sport\A(agen seine Berechtigung hat, versucht Daimler-Benz zu beweisen: den 230 SL kann man mit dem (nicht idealen) Vierganggetriebe mit Handschaltung oder mit dem DB-Automatikgetriebe bekommen. Aber das ist auch nicht der Weisheit letzter Schluß, denn es ist ein Getriebe mit vier. Gängen, bei dem lediglich Kupplungs- und Schaltvorgänge automatisch ausgeführt werden. 
Wenn man von "automatischem Getriebe" spricht, dann sieht man in Gedanken ein stu-

fenloses Getriebe vor sich, bei dem keine Gänge geschaltet werden, sondern bei dem sich die Obersetzungen entsprechend der Stellung des Gaspedals kontinuierlich ändern. Nach wie vor ist die DAF-Variomatic, dieses simple Keilriemengetriebe, die einzige europäische Lösung des Problems. Freilich, bisher sitzt sie lediglich in einem leistungsschwachen Wagen geringer Fahrleistung und die Beteuerungen der DAF-Ingenieure, diese KraftÜbertragung sei auch für höhere Leistungen geeignet, schienen gegenstandslos zu sein. Nun aber hat man offensichtlich Wege gefunden, auch höhere Leistungen einwandfrei zu übertragen, denn DAF . entschloß sich, auf Anregung des holländischen Rennfahrers Henk van Zalinge einen Formel-3-Rennwagen mit der Variomatic auszurüsten. Dabei müssen etwa 100 PS verkraftet werden, doch scheint das Problem nach eineinhalbjähriger Entwicklungszeit ge1öst zu sein. Die Vorteile der Getriebeautomatik liegen klar auf der Hand: bei Renn- und Sportmotoren werden die nutzbaren Leistungsbereiche immer enger, so daß Getriebe mit immer mehr Gängen notwendig werden. Das bedeutet jedoch, daß der Fahrer immer häufiger schalten muß - er muß dazu die Hand vom Lenkrad nehmen und er muß ständig den Drehzahlmesser beachten. Da aber keine Roboter, sondern nur Menschen in Rennwagen sitzen und die wenigsten es zu absoluter Perfektion im Fahren gebracht haben, lenken diese "Nebenarbeiten" den Fahrer ab, so daß mit einer Automatik nach menschlichem Er- , messen mit größerer Sicherheit schnellere Rundenzeiten auf gegebener Strecke erzielbar sein müßten. Ganz davon abgesehen, verdient der DAFVersuch mit der Variomatic im Rennwagen höchste Beachtung. Denn wenn sie dort hält, was man sich von ihr verspricht, müßte sie es in einem modernen Mittelklassewagen ja auch tun. Nur wird wohl dann der "Differentialeffekt" auf vereister oder verschneiter Straße völlig zum Teufel sein, denn schon beim kleinen Daffodil war kräftige Adhäsion not, wendig, um die angetriebenen Räder zu unterschiedlichen Drehzahlen zu veranlassen. 
Obwohl der von DAF umgebaute Formel-3Rennwagen nicht mehr dem neuesten Stand entspricht, will sich das holländische Unternehmen nach Abschluß der Versuche in diesem Jahr an Formel-3-Konkurrenzen beteiligen, um die Variomatic auch im harten Rennbetrieb zu erproben. Wir wünschen jedenfalls viel Glück und drücken alle Daumen! Ba. 


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