Der Wankelmotor


 
Der NSU-Wankel-Motor ist kein Hubkolbenmotor, sondern ein Kreiskolbenmotor, oder nach der Def)nition von Dr. Froede, dem Leiter der Forschungsabteilung von NSU, "eine Bauart, bei der durch Oberlagerung von zwei Drehbewegungen ein Läufer in einem stationären Gehäuse drei in ihrer Gräße stetig veränderliche Räume bildet. In diesen Räumen wird durch Schlitzsteuerung ein Viertakt-Gaswechsel durchgeführt". Um es noch einmal deutlich zu machen (MR 3!1960), aus tausenden möglichen Formen von Rotationskolbenmotoren wurde die Form des NSU-Wankel-Motors ausgewählt. Dieser Motor kann grundsätzlich als Drehkolbenmotor oder als Kreiskolbenmotor ausgeführt werden. Vom Drehkolben spricht man, wenn das Motorgehäuse umläuft, während das Bogendreieck (Läufer oder auch Kolben genannt) still steht und sich auf der Kurvenbahn des Gehäuses abwälzt. Der ietzige NSU-Wankel-Motor arbeitet aber als Kreiskolbenmotor (KKM), d. h., das Motorgehäuse steht fest, während sich das Bogendreieck dreht und über eine Exzenterwelle die Kraft abgibt. 
Nachdem in den letzten Jahren viel Richtiges und Falsches über den Wankel-Motor und seine Zukunft geschrieben und erzählt wurde, wollen wir versuchen, drei Fragen zu beantworten : I. Wo steht der NSU-Wankel-Motor heute? 2. Ist es bereits ein Automobil-Motor? 3. Wie fährt sich ein Wagen mit KKM? 
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Wie es zum Kreiskolbenmotor kam 1951 kamen zwei Gruppen zusammen, die Forschungsabteilung von NSU unter Leitung von Dr. Walter Froede und die Technische Entwicklungsstelle Lindau unter Leitung von Felix Wankel. 1954 entschied sich Wanke! für die achtförmige Raumform, in der ein dreieckförmiger Läufer so rotieren konnte, daß er während seiner Bewegung drei voneinander getrennte in der Größe veränderliche Kammern bildete. Damit war aus der Fülle der mÖglichen Rotationskolbenmotoren das Prinzip des heutigen NSUWankei-KKM geboren. 

1956. Ein nach diesem Prinzip arbeitendes Ladegebläse wurde für den 50-ccm-NSU-Zweitakter verwendet, mit dem die Rekordfahrten auf dem Salzsee in den USA durchgeführt worden sind. 1957 kam am 1. Februar der erste Drehkolbenmotor auf dem Prüfstand der Forschungsabteilung in Neckarsulm zum Lauf. 1960, drei J~hre später, Fachtagung des Vereins Deutscher Ingenieure. An würdiger Stelle im Kangreßsaal des Deutschen Museums in München waren über 1500 Fachleute aus aller Welt versammelt, um Berichte und Diskussionen über den Kreiskolbenmotor und seine mögliche Zukunft zu hören und den Motor auf einem Prüfstand zu erleben. Dr. Froede betonte, daß sich alle Versuche bisher auf Einzelläufe bei immer gleicher Last be-

schränkt hätte, aber noch nicht mit dem so quälenden Programmbetrieb, mit der wechselnden Belastung des Automobilmotors befaßt haben. Deshalb erwarte man die L äsung dieser schwierigsten Aufgabe als letzte. 
1961 aber: der KKM 400 ist ein Automobilmotor KKM 400, also Kreiskolbenmotor mit einem Kammervolumen von 400 c cm, das ist der Motor nach dem letzten Forschungsstand von NSU. Im Prinzip, in der Grundausführung bleibt alles wie es war, und dabei ergeben sich folgende Daten : 
. Kammervolumen 400 c cm 
. Leistung 50 PS/6000 U/min (ie nach Auslegung 50 bis 54 PS) . Spezifischer Verbrauch 220 bis 250 glPSlh 
. Teillastverbrauch (Straße) 5 bis 11 U100 km . Höchstgeschwindigkeit 140 km/h (ie nach Motorouslegung 140 bis 160 km/h) 
Die letzten Straßenversuche wurden mit NSU-Sport-Prinzen durchgeführt, aber eigentlich nur deshalb, weil dieser Wagentyp in Neckarsulm zur Verfügung steht. Berichte der Forschungsabteilung von NSU, Gespräche und Fahrversuche führten zu dem Ergebnis, daß mit dem heutigen Entwick-

lungsstand dieses Kreiskalbenmotors bewiesen ist: der NSU-Wankel-Motor ist bereits ein Automobilmotor, also ein Motor, der dem erwähnten "quälenden" Programmbetrieb, den ständig wechselnden Belastungen, gewochsen ist. Er k ö n nt e also seiner Charakteristik nach, entgegen früherer Ansichten, durchaus am gleichen Tage X als Motor für eine Feuerspritze oder als Bootsmotor (mit nur einer Drehzahl und Belastung), sowie auch als Flugmotor (mit verschiedenen Hauptarbeitsbereichen) und eben auch als Automobilmotor, der bei jeder Drehzahl und Belastung und jedem Lastwechsel durchhalten muß, herauskommen. Dabei hat dieser NSU-Wankel-Motor einen Sack voll guter Eigenschaften. So u. a. ein Trockengewicht (allerdings ohne 

Kühler) von nur rd. 23 kg bei einer Leistung von 50 PS. Und außerdem so geringe Abmessungen, daß salch Motor "irgendwo im Wagen" verschwinden könnte. Dazu ermöglicht die Mengenfertigung günstige Herstellungskosten, und schon heute beweisen zahlreiche Untersuchungen und Prüfstandläufe, daß mit einem erfreulich geringen Verschleiß zu rechnen ist. Die NSU-ForschungsabteiIung ist deshalb heute davon überzeugt, daß in Kürze der KKM für die Fertigungsvorbereitung, au c h als Automobilmotor, bereitstehen kann. 
Ein Fahrerlebnis "Alles schön und gut", meinte die MR, "aber können wir nicht einmal mit einem Wagen mit KKM-400-Motor fahren?" Und wir konnten es. Etwas Regen, etwas Schnee, etwas Nebel - schön war es nicht in und um Neckarsulm. Aber vielleicht war das gerade gut, denn an einem strahlend schönen Tag auf einer Autobahn mit 5000, 6000 U/min zu jagen, das könnte auch ein Motor, der für das Auto im Alltag gar nicht geeignet ist. Aber mit Vorsicht auf nassen Straßen durch die Stadt zu fahren, im Land, straßenverkehr langsam und schnell zu beschleunigen, zu verzögern, zu überholen, zu halten, zu warten und dann auf der Autobahn einmal die 6000 Touren, die der Motor bei dieser Auslegung erreicht, auszufahren, das alles zusammen ist interessant und gibt einen Begriff von der Eignung des KKM für das normale Auto und damit für Dich und mich. 

Das Fahrerlebnis war für den Tester beinah etwas "enttäuschend", denn der Mator machte alles - fast alles - klaglos und gut. Ein paar Zahlen: Der Motor sprang sofort an. Leerlauf etwas hoch und rauh mit rund 1400 U/min, nicht begeisternd. Aber bei 2000 bis 6000 U/min beinah turbinenartig weich mit einem gesunden Ton und nicht schlecht in den Obergängen. Im 4. Gang lag der Bereich bei brauchbarer Beschleunigung ruckfrei zwischen 2000 und 6000 U/min, entsprechend 60 bis 140 km/h, ein verblüffend gutes Ergebnis. Dabei ist der Sport-Prinz weder für diesen 50-PS-Motor, noch für dessen kleine Dimensionen geschaffen. Noch weniger geeignet waren das verwendete VW-Getriebe, der einfache SolexVergaser, der Ford-Kühler und was man alles zusammengestoppelt hatte, um nur einmal zu zeigen, daß es überhaupt geht. Fehler in den Obersetzungen, in der Vergaserabstimmung usw. usw. überdeckten aber nicht das Besondere, nämlich wenn Sie in einen Sport-Prinzen mit NSU-Wankel-Motor einsteigen würden, kämen Sie wahrscheinlich zu dem Ergebnis: "wohl ein neuer, erfreulich leiser Sport-Motor". Aber Sie würden kaum glauben, daß es etwas ganz anderes, eben ein KKM, sein könnte. So outogerecht ist der Kreiskolbenmotor schon heute, noch vor Abschluß der Grundentwicklung. 
Wer wird NSU-Wankel-Motoren bauen? Obwohl noch vor kurzem eine amerikanische Fachzeitschrift schrieb, "der Curtiss (amerikanischer Lizenzträger) KKM wird nie kommen !", sind wir nun davon überzeugt, daß der Motor eine ~ Zukunft hat. Wer wird ihn bauen? Natürlich NSU als Automobilmotor, vielleicht ist schon der KKM 400 der erste Prototyp. Dann wohl auch, und vielleicht schon früher, als Bootsmotor und schließlich für Zweiräder. Hier bei NSU befindet sich gerade ein luftgekÜhlter 60-ccm-KKM auf der Bremse. Ferner bei Daimler-Benz in größeren Einheiten, die Studien sind hier bereits weit gediehen, ein Lizenzvertrag steht offenbar schon vor dem Abschluß? ! Bei Curtiss, dem Lizenzträger in den USA, ist man mit einem sehr großen Entwicklungsstab an der Arbeit und erwartet tJ. a. einen "Mehrzellen-Flugmotor" (eine Reihe von Kreiskolbeneinheiten hintereinander geschaltet), leicht, leistungsföhig und mit der für Flugmotoren so entscheidenden kleinen Stirnfläche. - In Japan liegt der Lizenzvertrag bereits zur Ratifizierung bei der Regierung, und auch sonst tut sich einiges. . . 


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