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| Noch vor kurzer Zeit gab es wohl außerhalb
der NSU-Werke nur wenige Fachleute, die für den NSU-Wankelmotor in
absehbarer Zeit eine wirkliche Chance sahen. Wir entsinnen uns zum Beispiel,
daß die für die Motorentwicklung des Volkswagenwerkes zuständigen
Techniker nach eingehender Besichtigung in Neckarsulm zur Feststellung
kamen, der Wankel-Motor sei - zumindest in naher Zukunft, nicht als Antrieb
eines Autos geeignet. Diese und ähnliche Feststellungen haben sicherlich
dazu beigetragen, die Anstrengungen der Neckarsulmer um die Fertigstellung
des ersten Rotationskolben-Automobilmotors zu verdoppeln. Seit Ende September
läuft nun also die Serienfertigung des NSU-Spider mit Wankelmotor
und wir erhielten die Möglichkeit, einen der Vorserienwagen zu fahren.
Sie werden nun einwenden, daß ein Vorserienwagen eigentlich nicht
die richtige . Grundlage für eine Beurteilung biete, aber das ist
in diesem Fall unwesentlich. Hier geht es ja gar nicht darum, was an Einzelheiten
inzwischen noch geändert wurde, sondern allein um die Frage, wie sich
der Wankelmotor im Verhältnis zum Hubkolbenmotor in einem Auto benimmt.
NSU gibt offen zu, daß es auch nach Anlauf der Serie noch Anderungen
geben wird - warum auch nicht? Schließlich fehlt bisher jede Erfahrung
über Wankelmotoren in von Normalbürgern gefahrenen Personenautos.
Der Käufer eines NSU-Spiders ist also gleichermaßen Pionier
wie Versuchsfahrer - eine reizvolle Aufgabe, die sicher
manchen dazu bewegen kann, sich ein salches
Auto zu kaufen. NSU verschweigt auch nicht, daß man bereit ist, graßzügig
zu verfahren, wenn an einem dieser ersten Spider in Kundenhand Fehler auftauchen
sollten oder störungen gemeldet werden. Im Grunde aber ist man in
Neckarsulm davon überzeugt, daß eigentlich nicht allzuviel passieren
könnte, denn dieses Auto verhält sich weitgehend wie ein vergleichbares
mit Hubkolbenmotor. Bedienungsfehler sind kaum zu erwarten - und von Haus
aus bringt der Wankelmotor eine größere IlNarrensicherheit"
mit, als sie der Hubkolbenmotor je hatte.
Sport-Prinzen war - ist die derzeitige Lösung die billigste, auch bezüglich des Aufwandes an nur schwer aufzutreibenden Arbeitskräften. Nun also gibt es den Wankel-Spider, ein neues Auto mit Wankel-Motor wird in absehbarer Zeit folgen. Nach dieser Vorrede ist es begreiflich, wenn wir den NSU-Spider als technischen Kompromiß bezeichnen. Das ist er vor allem deshalb, weil man bei einem von Grund auf neuen Auto kaum den "Umweg" über den Heckmotor gewählt hätte. Der Kühler sitzt vorn im Bug des Wagens, zwischen Motor und Kühler sind durch den ganzen Wagen führende Kühlwasserleitungen notwendig, deren Abschirmung gegen den Fahrgastraum nicht ganz einfach ist. Man verlegte sie in den Mitteltunnel, der dadurch immer warm ist. Im Winter angenehm, aber im Sommer ist es auch bei geöffnetem Verdeck "schön mollig". Andererseits bringt diese Anordnung - Motor hinten, Kühler vorn - den Vorteil möglichst gleichmäßiger Radbelastung. Und das wirkt sich auf die Fahreigenschaften recht positivaus. Ursprünglich war der "Spider" also ein "Sportprinz", der für den besonderen Zweck - Antrieb durch NSU-Wankelmotor - umgearbeitet wurde. Es entsta,nd ein "Roadster", d. h. ein zweisitziges Auto mit Faltverdeck. Das Verdeck verschwindet nach dem Offnen völlig hinter den Sitzen. Zwei Einzelsitze mit weitem Verstellbereich, so daß auch sehr lang geratene Fahrer bequem sitzen. Das Lenkrad ist ungewohnt flach angestellt, da man eine Kröpfung der Lenksäule sparen wollte (zusätzliches Gelenk). Aber daran gewöhnt man sich schnell. Fußhebel und Bedienungsknöpfe liegen gut, ebenso die Instrumente im Armaturenbrett. Die Drehzahlmesserskala reichte bei diesen ersten Wagen nur bis 6000 U/min, wird für die Serie bis 8000 erweitert. Darüber reden wir noch. Das Fahrwerk des Spider wurde zwar aus dem des Sport-Prinzen entwickelt, entspricht heute jedoch dem des Prinz 1000. Das bezieht sich vor allem auf die Hinterachse mit ihren schräg angestellten Dreiecklenkern. Zwar blieb man bei der sehr kleinen Raddimension von 5.00- 12 R, doch sind die Räder
bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 950 kg und der angegebenen
Höchstgeschwindigkeit von rund 150 km/h gerade noch tragbar, doch
läuft der Wagen in langen Gefällen auf der Autobahn nicht selten
wesentlich über 160 km/h - ob auf die Dauer die Reifen damit einverstanden
sind? Trotz der kleinen Räder sind die Fahreigenschaften des NSU-Spider
ausgezeichn.et. Wir hatten anfangs ein wenig Sorge, mit einem "Sportprinz"
so schnell zu fahren, bis wir feststellten, daß auch von den Fahreigenschaften
des Sportprinz nicht mehr viel übrig geblieben ist. Der Spider hat
sich zu einem richtigen Sportwagen gemausert, mit dem man auch auf kurvenreichem
Kurs sehr schnell fahren kann. Er verhält sich bei extremen Kurvengeschwindigkeiten
fast neutral bis leicht übersteuernd, ohne "HeckschleuderEigenschaften"
zu besitzen. Wenn man erst einmal erkannt hat, welche Fahrleistungen in
diesem kleinen Auto stecken, dann wird man feststellen, daß der Wagen
mit 8500 DM durchaus preiswert ist und die Konkurrenz nicht zu scheuen
braucht - wobei hier der Reiz des Wankelmotors noch nicht einmal eingerechnet
ist. Die Bremsen des Spider sind in ihrer Wirkung sehr gut und den Fahrleistungen
gewachsen: vorn werden Scheibenbremsen mit einem im Verhältnis zu
den kleinen Rädern großen Durchmesser von 227 mm verwendet,
während die hinteren Trommelbremsen mit einem Durchmesser von 180
mm aufwarten. Die Handbremse (Hebel zwischen den Vordersitzen) wirkt auf
die Hinterräder.
deckt haben, auf der "NSU Wanke\" zu lesen
ist, nie auf den Gedanken kämen, neben ihnen stände ein ganz
besonderes Fahrzeug. Daß die " Töne" sich so gleichen, liegt
wah! hauptsächlich daran, weil die Auspufftöpfe beider Motoren
eben auch aus dem gleichen Stall stammen. Ein Blick auf den Drehzahlmesser
zeigt die bei 6000 U/min endende Skala, so daß wir bei NSU anfragten,
wie hoch man denn den Motor nun eigentlich drehen dürfte. Schließlich
waren wir nicht ,wild darauf, das gute . Stück gleich bei der ersten
Bekanntschaft zu ruinieren. Man beruhigte uns, wir dürften den Motor
so hoch drehen lassen, wie es uns Spaß machte. Wir sollten halt dort
aufhören, wo es keine Leistung mehr gäbe. Daran haben wir uns
denn auch gehalten. Der NSU-Spider ist mit normaler Kupplung und normalem
Vierganggetriebe ausgerüstet. Hat man den Motor gestartet, legt man
den ersten Gang ein und fährt los. Das Anfahren ist ein wenig enttäuschend,
denn nun hat man nicht nur das "akustische Gefühl", einen
cher Motor jemals gebaut wurde. Abgesehen
davon, lahnt es sicher kaum, sich darum Gedanken zu machen, denn ein so
ausgelegter Viertakter brächte ähnlich schwierige Probleme mit
sich, wie sie der Wankelmotor in der Vergangenheit seiner Entwicklung entgegensetzte.
War es beim Wankelmotor die Abdichtung des Läufers gegenüber
dem Gehäuse, so ist es beim Drehschiebermotor die Abdichtung eines
zusätzlichen Steuero~gans, des Drehschiebers, die einen beträchtlichen
Entwicklungsaufwand erfordern würde. Und wenn man die Ingenieure fragt,
die sich mit . Viertakt-Drehschiebermotoren abgegeben haben, dazu gehört
an erster Stelle Dr.-Ing. Froede, Entwicklungschef bei NSU und maßgeblich
für den heutigen Stand des Wankelmotors verantwortlich, dann hört
man immer wieder, daß es angesichts der Erfolge mit dem Wankelmotor
kaum noch eine Chance für einen Drehschieber-Hubkolbenviertakter gibL
Auch wenn man die Leerlaufdrehzahl des
Wankelmo:ors anheben würde, bliebe doch noch eine so große Drehzahl-Spannweite,
die für die Zukunft zu den schön5ten Hoffnungen berechtigt. Aus
unserem Gangdiagramm ist ersichtlich, daß die Oberschneidungen in
den Gängen ganz gewaltig sind. Das heißt, wenn man im ersten
Gang bis etwa 10000 U/min beschleunigt, wird der zwcite Gang eigentlich
überflüssig! Man kann dann getrost in den dritten Gang schalten
und es st~hen immer noch 3700 U/min und rund 30 PS zur Verfügung,
so daß die Beschleunigung keineswegs "lahm" wird. Man hätte
bei NSU also ohne Gewissensbisse ein Dreiganggetriebe vorsehen können,
ohne das BeschleunigungsvermÖgen wesentlich zu verschlechtern. Aber
man war vorsichtig, mit Recht. Künftige Erfahrungen werden zeigen,
was sich da machen läßt. Wir meinen, daß es vermutlich
bald gelingen wird, den nutzbaren Drehzahlbereich noch weiter auszudehnen,
so daß vielleicht eines Tages mit nur zwei Vorwärtsgängen
auszukommen ist, ohne amerikanische Hubräume nötig zu haben.
Damit würden sich geradezu ideale Voraussetzungen für eine automatische
Kupplung ergeben, ohne den zur Zeit noch gewaltigen Aufwand von automatischen
Vierganggetrieben in Kauf nehmen zu müssen!
reits seine ersten Früchte getragen
hat! Was aber im Augenblick mehr interessiert: soll man dieses kleine Auto
kaufen? Wir meinen ja, wenn man sowieso an einem kleinen, zweisitzigen
Sportwagen interessiert ist. Gewiß ist auch er nicht ohne Makel,
aber welches Auto ist das schon? Außerdem kann man hier mit ruhigem
Gewissen über kleine Mängel hinwegsehen, manches, was an unserem
Wa, gen noch zu bemängeln gewesen wäre, wurde inzwischen bereits
geändert. Weitere Fehler werden sich - falls überhaupt - erst
später bemerkbar machen. Auf jeden Fall geht man kein Risiko ein,
wenn man das Auto kauftund hat dazu noch die Genugtuung, den ungewÖhnlichsten
Motor der Gegenwart zu besitzen. Bartsch
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