Der Wankelmotor


 
Ober die Möglichkeiten befragt, die die Brennstoffzelle mit von ihr gespeisten Elektromotoren als Automobilantrieb bietet, antwortete ein Fachmann, daß man sich darüber frühestens in 100 Jahren unterhalten solle. Nun! vielleicht ist das zu pessimistisch! und der erste Personenwagen mit Brennstoffzelle kommt "bereits!' in 80 Jahren auf den Markt - auf alle Fälle zeigt diese Prognose! daß dem Verbrennungsmotor noch eine lange und auch für langwierige Entwicklungen ausreichende Zeit bevorsteht! ehe man vielleicht einmal von seinem II Tod" reden kann. Bei solchen Zeiträumen muß es als kleines Wunder erscheinen! daß es gelang! den Wankelmotor zum heute schon fast ebenbürtigen Konkurrenten des Hubkolbenmotors zu entwickeln. Bei NSU läuft er seit etwa 2 Jahren als Antrieb des kleinen Spider in der Serienfertigung! und zur nächsten Automobilausstellung in Frankfurt im Herbst 1967 wird NSU einen weiteren! wesentlich größeren Wagen vorstellen! der als Antrieb einen Zweischeiben-Wankelmotor mit etwa 110 PS haben wird. Das ist keine mit Vorsicht zu genießende Prognose! sondern eine Realität! denn der Motor ist bereits fertig und wird seit einiger Zeit in der Praxis erprobt. Wir haben ein mit ihm ausgerüstetes Auto gefahren! und wir sind sicher! daß der Serienfertigung dieses Motors in größerem Umfang keine wesentlichen Schwierigkeiten im Wege stehen. NSU steht jedoch an der II Wankelfront" nicht allein! denn seit 1958 haben 16 bekannte Motorenfirmen in Deutschland und in aller Welt Entwicklungslizenzen auf den NSU-Wankelmotor genommen und sich an die Entwicklung dieser neuen Bauart gewagt. Daß gelegentlich auch Wege beschritten wurden! die in einer Sackgasse mündeten! ist ganz selbstverständlich. Denn niemand konnte verbindlich vorhersagen! wozu sich das Wankel-Prinzip eignet und wozu nicht. .Als Dieselmotor scheint er sich nicht zu eignen und als Großmotor mit einem Kammervolumen von vielen Litern Inhalt auch nicht. Offensichtlich liegt das günstigste Kammervolumen etwa bei 500 c cm! so daß die ersten Automobilmotoren mit zwei und mehr Läufern ein Kammervolumen um 500 c cm aufweisen werden. In Mitteldeutschland wird man zum Beispiel Motoren mit etwa 400 c cm pro Kammer bauen! bei NSU wird man bei 

500 c cm bleiben und bei Mercedes-Benz werden die Kammern voraussichtlich 600 c cm haben. 
Wer ist in der Entwicklung am weitestesten ? Das ist eine höchst interessante Frage, die mit allerletzter Genauigkeit augenblicklich allerdings nicht beantwortet werden kann. Da ist zuerst natürlich NSU, deren Einscheiben-Wankelmotor im Spider beachtliche Praxisreife hat. Der zweite Motor mit 2 Läufen ist ebenfalls weitgehend fertig - wir werden uns nachher darüber unterhalten. Die anderen Lizenznehmer sind weit ZugeknÖpfter als z. B: NSU. Besonders in letzter Zeit hört man sehr wenig über die WankelMotorenentwicklung bei Mercedes-Benz, was mit einiger Sicherheit darauf schließen läßt, daß man dort in ein gewisses Endstadium gekommen ist und man auf die Vorstellung eines solchen Motors hoffen kann. Drei Läufer soll der Motor haben. Einer der jüngsten Lizenznehmer ist die Firma Porsche, die sich für den Einsatz des Wankelmotors für Sport- und Rennzwecke natürlich besonders interessiert. Um die Grenzen abzustecken, frisierte man in Zuffenhausen einen Einscheiben-Wankelmotor mit 500 c cm Kammervolumen und soll dabei bis etwa 95 PS gekommen sein. Wie es heißt, steht in einer Ecke der Versuchsabteilung ein Kasten Bier, für den Augenblick bereit, an dem der Motor zum erstenmal 100 PS überschreitet. Wir vermuten, daß- das Bier inzwischen seiner Bestimmung zugeführt wurde. In diesem Zusammenhang ist interessant, daß auch private Leistungssteigerungen am Wankelmotor schon heute von Erfolg gekrönt sind. Der bekannte Stuttgarter Sportfahrer Siegfried Spieß fährt in dieser Saison einen NSU-Wankel-Spider, dessen Motor er auf etwa 80 PS brachte, ohne tiefere Eingriffe vornehmen zu müssen! Auch außerhalb Deutschlands wird von den verschiedenen Lizenznehmern fleißig an der Ausreifung des Wankelmotors gearbeitet. So sind vor allem die Arbeiten von CurtissWright, USA, der "ältesten" Lizenznehmerin, bekannt, die sich anfangs sehr großen Kammervolumen widmete, nun aber davon abkam und Motoren entwickelt, die für Perso-

nenwagen interessant sind. Gegenwärtig läuft ein solcher Motor mit 2 X 1000 c cm Kammervolumen im Ford Mustang mit gutem Erfolg. 
Für uns augenblicklich nur von theoretischem Interesse sind die Arbeiten der japanischen Firma Toyo Kogyo, deren Zweischeibenmotor nach Ansicht von NSU am weitesten gediehen ist. Bei einem Kammervolumen von 2 x 500 c cm leistet er 85 PS bei etwa 6000 U/ min und wiegt (trocken) mit Vergaser, luftfilter, lichtmaschine und Schwungscheibe etwa 100 kg. Er ist mit Doppelzündung ausgerüstet, was darauf schließen läßt, daß er nicht mehr mit der teuren KondensatorzÜndung arbeitet, wie sie noch der Motor im NSU-Spider besitzt, sondern mit einer wesentlich billigeren Spulenzündung. Diesen Weg wird man auch bei NSU beschreiten, weil er mehrere Vorteile hat, von denen der geringere Preis der Anlage der augenfälligste ist. Aber auch die Verbrennung im nach wie vor sehr ungünstig geformten Brennraum wird durch die Doppelzündung positiv beeinflußt, so daß der Kraftstoffverbrauch etwas gesenkt werden kann. Der spezifische Verbrauch der Wankelmotoren mit Vergaser ist dem bekannten Hubkolbenmotoren ebenbÜrtig und liegt (mit Einfachzündung) im günstigsten Bereich bei 220 g/PSh, mit DoppelzÜndung sind etwa 200 g/PSh erreichbar. Eine weitere Maßnahme könnte den Verbrauch ebenfalls positiv beeinflussen, wenn . man nämlich den Kraftstoff verdampfen würde. Zwar reduziert das die Füllung (und entsprechend die Leistung), dürfte jedoch gegenÜber der Verbrauchssenkung wenig ins Gewicht fallen. Im augenblicklichen Entwicklungsstadium wird man eine verhältnismäßig teure und aufwendige Verdampfungsanlage nicht verwenden, sondern weiterhin auch in der Praxis und in der Hand der künftigen Käufer mit normalen Vergasern arbeiten. Es ist jedoch anzunehmen, daß NSU beim gemeinsamen NSU-Citroen-Projekt andere Wege einschlägt, da ja in Frankreich niedrigster Kraftstoffverbrauch wegen der seh r hohen Kraftstoffpreise eine Notwendigkeit ist. Die Kraftstoffeinspritzung hält man bei NSU für einen preisgünstigen Mittelklassewagen für nicht aktuell, das ist das Feld der Mercedes-Benz-Konstrukteure, deren Wankelmo-

tor aller Voraussicht nach eines Tages den bisherigen Sechszylinder ersetzen soll. NSU wird sich augenblicklich nicht aktiv mit dem Wankelmotor im Sport betätigen, sondern gibt lediglich einigen Sportfahrern HilfesteIlung. Das ist keine Frage des IINichtKönnens", sondern allein von der Zahl der verfügbaren Mitarbeiter und - natürlich
den Kosten abhängig. Gegenwärtig beschäftigt NSU in der Wankelmotorentwicklung 67 Konstru Kteu re, Deta i I konstru kteu re, Versuchsingenieure und Mechaniker, während bei Bayo Kogyo in Japan z. B. 180 Mitarbeiter am gleichen Projekt sitzen! Bei NSU stehen zudem für diese Versuche 12 Prüfstände zur Verfügung, bei den Japanern aber.23. 


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