Deutsche Roller


Als Resultat des Erfolges der Vespa entstanden in Deutschland zahlreiche Hersteller (um die drei Dutzend waren es zum Schluß) von Rollern und später Kabinenrollern. 

Einige versuchten es mit Primitivrollern und niedrigen Preisen, die die Kunden zum Kauf bewegen sollten. Roller wie z.B. der Cityfix, der Ami, das Mota-Wiesel, der ASB-Roller, der Servos, der Ferbedo oder der Lutz-Roller (der in Braunschweig in den Hallen der heutigen DLR-Lehrwerkstatt in der Kralenriede hergestellt wurde), fanden keinen Absatz und verschwanden nach kurzer Zeit wieder vom Markt.

Im Mittelfeld lagen Hersteller, die sich im Großen und Ganzen an der Vespa orientierten.

An der anderen Grenze der Skala warben Hersteller um ihre Kunden mit Rollermobilen, Einspur-Autos oder Autorollern, die nicht nur dem Namen nach Parallelen zum Automobil besaßen, sondern auch in ihrer Optik. Diese Roller boten dem Kunden so viel Blech, wie es die Pressen zur Herstellung und die Rollermotoren an Leistung zuließen. 

In den beiden letzten Gruppen finden wir die bekannten Hersteller von Rollern der 50er Jahre wieder wie z.B. NSU, Faka, Walba, Bastert, Goggo, Maico, Zündapp, Herkules, Heinkel und Dürkopp, denen ein großer Erfolg beschieden war. 

Grund dafür war unter anderem, daß sich die Käuferschicht bewußt Details des Autos am Roller wünschte und die Hersteller diesen Wünschen auch entsprachen. So besaßen Roller der damaligen Zeit schon Anlasser, Benzinuhr, Choke und Zeituhr. 


1953 erschien in der ADAC-Motorwelt anläßlich der Frankfurter Automobildausstellung ein Bericht über die damals in Deutschland produzierten Motorroller.

Und der ADAC wäre kein deutscher Verein gewesen, wenn er nicht sofort klassifiziert und die Frage gestellt hätte: Darf dieses Ding sich noch Motorroller nennen oder nicht?

Unten der Originalartikel. Die meisten Bilder stammen ebenfalls daraus. Die originalen Bildunterschriften sind im Folgenden kursiv gesetzt.
 

Die Vielfalt auf dem deutschen Markt war groß:
 
Roller nach dem Vorbild der Vespa
Roller mit großen Rädern
Verkleidete Motorräder
Rollermobile
Kabinenroller

Aber auch die schönste Chromzier und die tollste Ausstattung machten den Roller immer noch nicht zum Auto. Hauptfeind für den Rollerboom in Deutschland war das Wetter. Die Rollerhersteller in Deutschland hatten jedoch nicht nur damit zu kämpfen. Nach dem Krieg waren es Maschinen und Material, an denen es mangelte. Maschinen wurden aus den ehemaligen Rüstungsbetrieben wie Heinkel und Messerschmitt demontiert, während Material für die Produktion "friedlicher" Güter nur gegen Bezugsscheine zu bekommen war. So war es in den Anfangszeiten auch wesentlich schwieriger an Bleche heranzukommen als an Rohre, was sich wiederum auf die Rollerkonstruktionen niederschlug. 

Mit dem Beginn des Wirtschaftswunders war es dann im Gegenteil der zunehmende Wohlstand der Menschen, die immer höhere Ansprüche an die Roller stellten, der den Herstellern Probleme bereitete. Die Fahrzeuge sollten immer luxuriöser, stärker und schneller werden, was sich natürlich auch auf den Preis niederschlug, der dem eines Automobils ständig näher kam. Die Automobilindustrie konnte ihre Preise indessen durch Rationalisierungsmaßnahmen immer weiter senken.

Nachdem 1953 der Höhepunkt des Rollerbooms in Deutschland (1979 der Tiefpunkt) erreicht war, mußten schon in den Jahren die meisten Kleinhersteller, aber auch größere Firmen, Konkurs anmelden. Der Rollerabsatz geriet ins Stocken, da er dem Kundenwunsch nach einem Dach über dem Kopf nicht mehr gerecht wurde. Einige Hersteller wie z.B. Hans Glas (Goggomobil), Ernst Heinkel (Heinkel-Kabine) oder Fritz Fend (Fend/Messerschmitt-Kabinenroller) suchten ihr Heil im Bau von Kabinenrollern. Diese drei- oder vierrädrigen Leichtbauautos wurden aber meist in zu kleinen und zu teuren Serien hergestellt, so daß sie, was Leistung, Komfort und Preis betraf, gegenüber dem Volkswagen nicht konkurrieren konnten.

Viele der Kabinenrollerhersteller gingen pleite, einige (wie Hans Glas) wurden von großen Werken (BMW) übernommen. Andere Hersteller fanden neue Marktnischen oder stiegen wieder in ihre ehemalige Produktionspalette ein. Nur ein Werk hat sich bis heute mit dem ausschließlichen Bau von Zweirädern behaupten können - die Herkules-Werke. BMW stellt ebenfalls noch Motorräder her und bringt demnächst auch einen Motorroller heraus, aber das Hauptstandbein ist hier natürlich das Automobil.


Zurück
Home