Als der Golf im Mai 1974 erstmals der
Öffentlichkeit vorgestellt wurde, war dies eine riesige Sensation.
Denn der Golf war
offensichtlich kein weiterentwickelter
Käfer, sondern etwas ganz anderes.
Bereits auf den ersten Blick konnte man
erkennen, daß der Golf in technischer Hinsicht ein vorbildliches
Auto war. Er war
komfortabler, schneller, sparsamer im
Benzinverbrauch und dennoch in der Anschaffung nicht teuer als der gleichstarke
VW
Käfer 1303. Doch auch der Fiat 128
hatte diese Qualitäten und wurde dennoch wegen seiner schlechten Verarbeitungsqualität
in Deutschland ein Flop. Es ist deshalb
nur zu verständlich, daß sich die qualitätsverwöhnten
VW-Fahrer erst nur sehr zögernd
in den Golf setzten. Und befriedigt feststellten,
daß die Türen nicht so satt ins Schloß fielen und die
Sitze nicht so bequem
waren wie beim Käfer. Also doch beim
Käfer bleiben, oder?
Manche wagten aber doch die erste Probefahrt
und waren geradezu fassungslos wegen des guten Geradeauslaufs, der guten
Übersichtlichkeit und des großen
Innenraums. Selbst die Testfahrt im Winter verlief zur vollsten Zufriedenheit:
Der Golf sprang
gut an, seine belasteten Antriebsräder
sorgten für eine gute Traktion und seine Heizung taute die Scheiben
schnell ab. Wer also
als langjähriger Käfer-Fahrer
einmal eine Probefahrt im Golf machte, war trotz der anfänglichen
leichten Qualitätsmängel hellauf
begeistert und unterschrieb einen Kaufvertrag.
Der VW Golf wurde so konstruiert, daß
er in besonderer Weise den Bedürfnissen der damaligen Autokäufer
entsprach. So
war der Golf dank umklappbarer Rückbank
und ausgezeichneter Fahrleistungen vielseitig zu verwenden. Seine
Einsatzmöglichkeiten reichten von
der komfortablen Langstreckenlimousine mit sehr gutem Geradeauslauf und
160 km/h
Spitzengeschwindigkeit über den 3,70
m langen Kompakt-Stadtwagen bis hin zum Nutzlast-Transporter z.B. für
den neu
gekauften Farbfernseher. Der Golf etablierte
ein neues Pkw-Segment, die Kompaktklasse. Dieses in der Presse schon bald
als
"Golfklasse" genannte Fahrzeugkonzept
verband die Vorteile von Klein-, Mittel- und Kombiwagen miteinander und
erwies sich
als richtungsweisend für die gesamte
europäische Automobilindustrie. Da der Golf universell einsetzbar
war, ein gelungenes
italienisches Design aufwies und zu einem
angemessenen Verkaufspreis angeboten wurde, hat er sich wie der Käfer
schnell zu
einem klassenlosen Auto etabliert: Angestellte,
Rentner, Studenten, Hausfrauen und Geschäftsleute waren alle bestens
mit dem
Golf versorgt.
Darüber hinaus überzeugte der
VW Golf auch durch seine innere Sicherheit: VW stattete ihn serienmäßig
mit einer formstabilen
Fahrgastzelle, computerberechneten Knautschzonen,
Sicherheitstürschlössern, einer zusammenschiebbaren
Sicherheitslenksäule, einem gepolsterten
Sicherheitslenkrad, einem abbrechenden Sicherheitsinnenspiegel, einem
aufschlagentschärften stoßabsorbierenden
Innenraum, Drei-Punkt-Sicherheitsgurten vorn und auf Wunsch sogar mit einem
ganz
neuen Schutzsystem, dem VW-Rückhalteautomat,
aus.
Als Folge seines modernen Motorkonzepts
besaß der VW Golf auch einen geringen Benzinverbrauch. Ein gleich
starker VW
Käfer verbrauchte dagegen etwa 3
l Kraftstoff mehr auf 100 km - und das mitten in der damaligen Ölkrise
mit explodierenden
Benzinpreisen. Mit dem knapp 10 % teureren
51 kW/70 PS Golf (L)S konnte man auf der Autobahn sogar so manchen
Mittelklassewagen abhängen. Hat es
jemals etwas Vergleichbares bei VW gegeben?
Der VW Golf überzeugte also durch
seine vielseitige Verwendbarkeit, seine Wirtschaftlichkeit, und seit 1976
auch durch seine
ausgezeichnete Verarbeitungsqualität.
VW hatte also die wichtigsten Käfer-Tugenden in den Golf übernommen.
Obwohl dem
Golf ein völlig eigenständiges
Fahrzeugkonzept zugrunde lag, wirkte er deshalb für den Autokäufer
in psychologischer Hinsicht
als hochmoderner Nachfolger des veralteten
Käfers. Hieraus resultierte sein sich schon bald abzeichnenden Markterfolg,
der
dazu führte, daß der Golf auch
in ökonomischer Hinsicht der Nachfolger des VW-Käfers wurde:
Bereits nach 31 Monaten
waren eine Million Golf verkauft, bis
heute sind es knapp zwanzig Millionen geworden. |