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Das Rimbaud-Projekt mit den Darstellern und einer
sehenswerten Timeline
          http://rimbaud.gpoint.net

Die Kritik der Tageszeitung DER STANDARD dazu

Ein Knappe im Matrosenhemd

Bondy-Schüler Alexander Löblein inszeniert Paul Zech
Wien - Der Kunst wäre in vielen Fällen gut gedient, wenn ihre Macher vor Schaffensantritt zunächst als Bergarbeiter und Heizer ins Ruhrgebiet arbeiten gehen würden. Leicht gesagt. Paul Zech, der große Unbekannte in der deutschen Literatur des 20. Jahrhundert, hat es getan.
Erst von diesem Blickwinkel aus - und auch im Kontext seiner sozialkritischen Stücke - wird die gefühlsklinische Liebeshommage des vergessenen Übersetzers und Schriftstellers an Arthur Rimbaud erträglich.
Diese Erträglichkeit findet zurzeit in der Arenabühne des Max-Reinhardt-Seminars durch Regisseur Alexander Löblein zu uneitler, geschliffener und dabei fast leicht federleichter Kunstfertigkeit. Dem sich beim Schlussapplaus im Matrosen-Outfit zeigenden Luc-Bondy-Schüler würde man die Bergmannsarbeit nämlich genauso zutrauen wie jene bis in die feinsten Ritzen zum allerschönsten, nachtfarbigen Gesamtbild geführte Inszenierung von Das trunkene Schiff. Streiflichtartig wird in diesem, Zechs bedeutendstem Dramenwerk, die Freundschaft der Dichter Rimbaud und Verlaine nachgezeichnet. Heute letztmals um 20.00 Uhr.
Boris Pietsch erfüllt schon von Natur aus sämtliche Rimbaud-Voraussetzungen: Als eine an den schwachen Schultern aufgehängte, hagere Gestalt, mit glimmenden Blicken, tritt er schmerztaumelnd aus dem türkisblauen Hintergrund wie aus dem eigenen Spiegelbild und hält seinen Anti-Provinz-Monolog.
Später, in der Dichterlesung-Szene - "Ich scheiße auf den ganzen Bockmist von Literatur!" - trinkt er aus der Weinflasche, als wollte er zum dramaturgischen Countdown die Trompete blasen. Hier beginnt der verlorene Wettlauf der Figuren mit der Stückgeschwindigkeit. Diese hat die Bildsprache bereits überholt.
Daniel Brockhaus' Verlaine muss uns seine Gefängnis-Traumrede zum Schluss schon ein wenig vorspielen. Übrigens und nicht zuletzt: Super Brustschurz-Kostüme von Jürgen Christian Hoerl.
Margarete Affenzeller

© DER STANDARD, 19. Mai 2000
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