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Vredeman de Vries
Zu
reden ist von einem Mann, dessen Spuren hier und da in der Braunschweiger
Region und besonders im Weserraum noch 393 Jahre nach seinem Tod zu finden
sind. Hans Vredeman de Vries (1526-1609), Maler und Zeichner der Renaissance
im Antwerpen des 16. Jahrhunderts. Sein Einfluss wirkte sich auch direkt
auf das Herzogturn Braunschweig-Lüneburg ausStation während seines
politischen und religiösen Exils.
In
Wolfenbüttel ist ein Werk des Niederländers erhalten. der Flügelaltar
aus der Kapelle des Schlosses Hessen, der heute in der Hauptkirche Beatae
Mariae Virginis aufgestellt ist. Entstanden sind die Altarbilder für
die Herzoginwitwe Hedwig von Braunschweig-Lüneburg um 1589, vermutlich
in Braunschweig. In die Residenzstadt WoIfenbüttel war Vredeman de
Vries im Jahre 1587 gerufen worden. Herzog Julius brauchte die Kenntnisse
und Arbeiten Vredeman de Vries', um einen Kanal zwischen Weser und Elbe
zu bauen, der für das wirtschaftliche Fortkommen des Herzogtums als
bedeutend angesehen wurde. Außerdem sollte der Niederländer
einen Lustgarten anlegen und auf Schloss Calenberg einen Gebäudeanbau
(Altan) sowie eine Badestube errichten.
Kanal,
Garten, Räumlichkeiten. Dafür werden heute unter anderen Ingenieure,
Gartenarchitekten und Architekten benötigt. Das 16. Jahrhundert kannte
diese Berufsfeider nicht. Es gab Baumeister (zu denen auch Vredeman de
Vries zählte), Handwerker und Arbeiter. Und die arbeiteten nach -
Vorlagen. Hier kommt ins Spiel, was Vredemann de Vries so begehrenswert
und bedeutend machte, seine Zeichnungen, Malereien und Entwürfe zur
Aufwertung von (bestehenden) Häusern, deren Ausstattung mit Ornamenten
und Säuien, Raumaufteilung, innenarchitektonische Ornamente (auch
für Kirchen, beispielsweise in der Wolfenbütteler Hauptkirche),
Gärten, militärische Befestigungen, Teppiche, Möbel.
Sein
Schaffen war geprägt von der italienischen und venezianischen Renaissance,
der antiken griechischen Säulenkunde sowie der Zentralperspektive,
mit der er sich stark auseinander setzte. Sein graphisches Werk, in Musterbüchern
zusammengestellt, verbreitete sich rasch auch in den vom Handel geprägten
Weserraum, nicht zuletzt deshalb, weil in der Handelsmetropole Antwerpen
der Buchdruck entscheidend weiter entwickelt worden war. Genau genommen
ist es also niederländischer Dekorationsstil, darunter das so genannte
Beschlagwerk (Stuck oder Malerei. die wie metallene Beschläge wirken),
der in Deutschland Weserrenaissance genannt wird.
Beschlagwerk-Ornamente im Jagdsaal des
Wolfsburger Schlosses
gefertigt nach dem Musterbuch des Vredeman
de Vries
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Wie
die Anregungen des Niederländers individuell umgesetzt wurden. lässt
sich in Häufung beispielsweise in Hameln und Lemgo nachvollziehen:
geschweifte Giebel mit spiraifönnigen Einrollungen am Kapitell (Voluten),
aufgesetzte Obelisken und Kugeln sowie vollplastische Figuren, In der Region
finden sich die von Vredemann de Vries aus den Musterbüchern übernommenen
Elemente, beispielsweise am Helmstedter Juleum, dem Wolfenbütteler
Zeughaus und dem Schloss Wolfsburg, das überdies im Jagdsaal mit Beschlagwerk
geschmückt ist.
Thomas
Parr, Braunschweiger Zeitung, 27. Juli 2002
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