Runen- und Bildsteine sind eine Besonderheit der Kultur der Nordmänner. Sie sind keine Grabsteine, sondern Gedenksteine an besondere Menschen und bisweilen auch an Ereignisse. In einer Gesellschaft, die keine Bücher kannte, sondern auf die mündliche Überlieferung angewiesen war, stellten solche Steine eine willkommene Gedächtnisstütze dar. Oft haben die Steine wohl auch eine juristische Bedeutung gehabt - es wird von Menschen berichtet, die fernab der Heimat gestorben sind und es wird detailliert ihr Besitz aufgezählt. Wahrscheinlich waren solche Steine eine Art Erbschein für die Hinterbliebenen.
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 Bildsteine gibt es ausschließlich auf Gotland, wo sie seit dem 5. Jahrhundert errichtet wurden.

 Dieser hier stellt im oberen Teil Odins achtfüßiges Roß Sleipnir, im unteren Teil ein Wikingerschiff dar.

 Auf diesem Bildstein ist eine der seltenen szenischen Darstellungen aus der Wikingerzeit zu sehen. Möglicherweise ist es eine Interpretation der Sage von Wieland dem Schmied, die in der Edda berichtet wird. Wieland wird von einem König gefangengenommen und gezwungen, in einer Schmiede zu arbeiten. Er nimmt Rache, indem er die Söhne des Königs umbringt, die Tochter vergewaltigt und anschließend in einem Federgewand entflieht. Auf dem Stein sind neben der Schmiede - angedeutet durch Hämmer und  Zangen - zwei kopflose Gestalten zu sehen, links sind eine vogelartige Gestalt und eine Frau dargestellt.
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 Die Steine außerhalb Gotlands sind wirklich Runensteine, die als wesentliches Element eine Inschrift enthalten. Meistens ist sie in Form eines Bandes über den Stein geschlungen. Bei diesem Stein aus Drävle in Schweden hat das Schriftband die Form des Drachen Fafnir, der oben vom Helden Sigurd mit dem Schwert durchbohrt wird.
 Dieser Stein aus Arhus in Dänemark zeigt neben den Runen eine furchterregende Maske. Die Inschrift lautet: 

 Gunulf und Oegot und Aslak und Rolf errichteten diesen Stein zum Gedenken an Ful, ihren Partner. Er fand seinen Tod, als Könige kämpften.

Der Stein an der Kirche von Kölaby/Schweden

 Agmundr errichtete diesen Stein zum Gedenken an Asbjörn, seinen Gevatter; und Asa (?) zum Andenken an ihren Ehemeann. Und er war Kulbeinns Sohn; er starb in Griechenland.
 
 
 

 Oft erlauben uns Steine Rückschlüsse auf die sozialen Verhältnisse, obwohl wir die Menschen nicht kennen, zu deren Ehren sie errichtet wurden. Asbjörn ist in Griechenland gestorben - wir wissen also nach diesem Stein, wie weitreichend die Verbindungen der Wikinger waren.

 Wenn Könige solche Steine errichteten, fielen sie natürlich prächtiger aus. Harald, der um 960 das Christentum in Dänemark einführte, ließ in Jelling auf dem größeren Stein einmeißeln: 

König Harald gebot, dieses Denkmal zu errichten zum Gedenken an Gorm, seinen Vater, und Thyra, seine Mutter. Der Harald, der ganz Dänemark und Norwegen für sich gewann und die Dänen zu Christen machte.

Außerdem ließ er den Stein mit einer Kreuzigungsdarstellung in wikingischem Stil verzieren.

 Überhaupt zeichneten sich die Wikinger bei der Beschriftung ihrer Steine nicht durch falsche Bescheidenheit aus. Dieser Stein steht in der Nähe von Stockholm zwischen Täby und Vallentuna. Seine Inschrift lautet:
 
Jarlabanki ließ diese Steine zu seinen Lebzeiten aufstellen, und er baute diese Brücke für sein Seelenheil. Ihm allein gehörte ganz Täby. Gott helfe seiner Seele.
 Der Landbesitzer Jarlabanki hatte im 11. Jahrhundert hier einen Damm aufschütten und eine Brücke zur Verbesserung der Wegeverhältnisse bauen lassen. Diese tat feierte er mit nicht weniger als fünf Steinen, die neben dem Bauwerk aufgestellt wurden.
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 Auch in christlicher Zeit dauerte die Tradition der Runensteine an. Dieser ist mit einem Kreuz geschmückt und wurde an einer Kirche errichtet.
 
 

Stein an der Kirche von Sigtuna, Schweden

 Der Stein wurde im Fundament des alten  Dominikaner-Klosters gefunden, wo er seit dem 13. Jahrhundert lag.

 Die Inschrift lautet:

 Die Brüder der Friesischen Gilde ließen diesen Stein für Torkel, ihren Gildebruder, errichten. Torbjoern hat den Stein gehauen.

 Der Rökstein aus Östergötland in Schweden gehört zu den eindrucksvollstens Runensteinen. Er enthält die längste Inschrift aller Runensteine, die dichtgedrängt dem gesamten verfügbaren Raum bedeckt.

 Der Anfang der Inschrift lautet:

 Zum Gedenken an Vaemodr stehen diese Runen. Und Varinn hat sie gefärbt, der Vater, zum Andenken an seinen toten Sohn.


 Das ist natürlich kein Runenstein, sondern ein Beispiel für die sehr seltenen vollplastischen Steinmetzarbeiten der Wikingerzeit. Es stammt aus dem 10. Jahrh. und steht auf dem Friedhof von Gosforth in Nordwestengland. Das Ringkreuz ist keltischer Herkunft, die Ornamentik aber skandinavisch. Die Kreuzigungsszene im mittleren Teil verbindet sich mit den Vorstellungen des Ragnarok, des Weltuntergangs der germanischen Mythologie.

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