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Myras Gewandungstips
......
Liverollenspiel ist in
den letzten Jahren immer mehr zum Problemthema für uns (Myra und mich) geworden, da wir
es immer schwieriger finden einen Con zu finden, auf dem es uns richtig gefällt. Das es
uns oft nicht gefallen hat lag nicht etwa an der SL oder am Plot, sondern viel mehr an der
Einstellung vieler Spieler, was Ausstattung und Ambiente betrifft. Das Live ist
Salonfähig geworden (das ist nicht negativ gemeint), was zur Folge hat, dass es nun eine
große Anzahl von neuen Spielern und ebenfalls Larp-Läden gibt. Diese Läden bieten eine
Vielfalt von guten Gewandungen und Ausrüstungsgegenständen an, was anscheinend viele
Spieler dazu bewegt, sich ihre Larp-Sachen ausschließlich dort anzuschaffen. Die
Mühe, sich eine eigene Gewandungsidee einfallen zu lassen und diese selber umzusetzen,
ist selten geworden. Das beste Outfit ist immer noch - so finde ich - , eine Kombination
aus gekauften und selbstgemachten Sachen, die man sich mit wenig handwerklichem und
zeitintensivem Aufwand zulegen kann.
Ich bin niemand, der
durch die Reihen geht und sämtliche Spieler, die keine ausgefeilten Gewandungen haben,
für larpuntauglich erklärt, aber ich bin der Meinung, man sollte sich mehr Mühe
damit geben. Wer sich allerdings mit blue-Jeans, Turnschuhen und Kettenhemd zufriedengibt,
sollte sich fragen, ob er sein Hobby gewissenhaft betreibt.
Und da sind wir auch
schon bei dem Zweck dieser Seite angekommen, nämlich relativ einfach gutaussehende und
praktische Gewandungen zu schneidern, um nicht einem Charakter zu begegnen, der
zufälliger Weise genau die gleichen Klamotten trägt, wie man selbst.
Also, wo fängt man an,
wenn man sich eine Gewandung zulegen möchte?
Die Zeitepochen, die
man im Live findet sind eindeutig das Früh - und Hochmittelalter, da sollet man
vielleicht zuerst mal in ein paar Geschichtsbücher reinschauen, um einen Eindruck zu
bekommen, was die Menschen (einfache, sowie von Stand) damals getragen haben. Dann sollte
man nicht vergessen, dass das Live ja ein Fantasyrollenspiel ist und sich mal in
Tischrollenspielbüchern (AD & D hat sehr viele schöne Illustrationen) umschauen. Das
Mittel aus diesen Eindrücken ergibt meistens eine gute Mischung aus authentischer und
phantastischer Kleidung.
Wichtig ist, das man
sich im Klaren darüber ist, dass, egal welcher Charakter gespielt wird, jeder eine Art
" normal oder Unterkleidung" benötigt. Es gibt viele Charaktere, die nur aus
Kampfklamotten ( Kettenhemd, Hose , Waffen) bestehen. Ist es warm, kalt oder geht man
gerade zum Essen, sie tragen immer die selben Sachen. Das macht den Charakter nicht sehr
glaubwürdig, und ist auf die Dauer unpraktisch. Welcher Ritter hat sich wohl an einem
Sommertag, wenn kein Kampf drohte in voller Rüstung herumgequält ?
Man sollte sich
folglich zuerst ein passendes Oberteil und etwas für um den Hintern entwerfen, also
ein einfaches Gewand für jeden Tag (für diejenigen von Euch, die Adlige spielen,
natürlich nicht ganz so einfach).
Eine einfache
Unterkleidung für den Mann besteht meistens aus einem Hemd und einer Hose:
Hosen: (fürSchnitte Seite
"Schnitt1")
Ich würde eine einfache
Wollhose empfehlen, da Wolle, das Supermaterial schlechthin ist. Sie läßt Feuchtigkeit
erst spät durch und trocknet sehr schnell, außerdem passt sich Wolle schön den
Körperformen an (gut bei enger Kleidung). Sie knubbelt nicht so stark wie z.B.
Leinen, was angenehm ist, wenn man Plattenteile am Körper trägt, denn
Knubbel unter der Platte geben mit der Zeit schmerzhafte Druckstellen.
Eigentlich trug man zur
damaligen Zeit keine Hosen im heutigen Sinne, sondern ein Paar Beinlinge. Das sind zwei
Stoffröhren (meistens mit Fuß), die am Oberteil angeknüpft wurden. Der Arsch hing
quasi raus, war aber durch ein längeres Oberteil meist verdeckt. Wer Beinlinge tragen
will, der zeigt Zeitbewußtsein und sicherlich auch ein wenig Mut (man kann einem
schließlich auf die Unterhosen schauen), aber aus praktischen Gründen empfehle ich doch
die "geschlossene" Hose.
Vorteilhaft ist eine
Hose, wie man sie im Spätmittelalter getragen hat. Diese Hose ist enganliegend, meistens
aus Wolle und hat vorne über dem "Schlitz" eine große Lasche, und keinen
Reisverschluß oder Knöpfe. Diese Lasche ist an den oberen Ecken angebunden
(angenestelt), so dass man sie zum Pinkeln aufschnüren und herunterklappen kann. (siehe
Schnittabbildung auf der "Schnitt 1" Seite). Am Bund ist die Hose durch eine
Kordel oder einen starken Knopf geschlossen. Eigentlich verliefen die Beinnähte damals
hinten am Bein (keine Druckstellen beim Reiten ? ), aber damit es beim Nähen nicht zu
kompliziert wird, nehme ich immer den heutigen Hosenschnitt mit seitlichen Nähten als
Grundlage. Die Hose hat unter dem Fuß einen Steg oder einen ganzen Fuß, damit sie beim
Anziehen von engen Stiefeln nicht mit nach oben rutscht. Ich nähe an meine Hosen nur
einen Steg, da man sonst die Hose mit ganzem Fuß nach jedem tragen waschen müßte (sonst
mieft es).
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Oberteile: (fürSchnitte Seite
"Schnitt1")
Hemd:
Das beliebteste Oberteil
ist wohl das Hemd. Es empfiehlt sich ein Leinenhemd zu nähen - sieht gut aus, ist
strapazierfähig und zeitgemäß. Es sollte unter dem Hintern oder kurz über den Knien
enden und bequem weit geschnitten sein. Toll sieht es aus, wenn man sich schöne Knöpfe
(aus Horn oder Holz) besorgt, anstatt den üblichen Plastikdingern. Gut machen sich auch
Schnürungen am Halsausschnitt und an den Armausgängen. Dabei sollte man darauf achten,
dass man die Löcher, durch die geschnürt wird ,nicht mit Ösen verstärkt ( das macht
die Gewandung immer so neuzeitlich), sondern wie ein Knopfloch umnäht (es sind immer die
aufwendigen Details, die eine Gewandung auszeichnen).
enges Wollhemd: (fürSchnitte Seite
"Schnitt1")
Anstatt ein weites Hemd
zu tragen, kann man sich auch ein enges Oberteil zulegen, was sich empfiehlt, wenn man
Kette oder Platte trägt. Lustig ist, wenn der tapfere Ritter sein Hemd unter der Kette
stundenlang zurechtzupft, weil alles verdreht und verknuddelt ist. Ich empfehle ein enges
(Körper als auch Arme) Hemd aus Wolle, das wie ein Schlafanzugoberteil geschnitten ist.
Ein Schlitz am Halsausschnitt erleichtert das Durchschlüpfen und kann dekorativ
geschnürt werden. Für die Leute unter Euch, die keine Rüstung darüber tragen, schlage
ich vor, den Schlitz mal über die Schulter laufen zu lassen, und dort zu knöpfen oder zu
schnüren.
Trägt man auch eine
enge Hose, dann kann man nun wirklich wie jemand aussehen, der einen Schlafanzug trägt.
Mir persönlich (ich trage eine solche Kombination) ist das egal, aber wem das nicht
egal ist, der sollte darüber eine Schecke tragen. Eine Schecke ist eine Jacke, die knapp
unter dem Hintern endet (gut für die, die Beinlinge tragen) und so den Schlafanzuglook
plättet. Mehr zur Schecke und anderen Formen von Jacken und Mänteln später.
Gut siehts aus, wenn
man die Arme eines solchen engen Oberteils nicht an den Körper annäht, sondern
anschnürt ,oder sie mit Bändern anknüpft. Das hat nebenbei den Vorteil, das man für
den Sommer gleich noch was Ärmelloses parat hat. Wenn man den Körper nun auch noch vorne
offen läßt , kann man die ärmellose Version des Oberteils gut wie eine Weste über
einem anderen Hemd tragen.
Ist man soweit mit
einem Grundgewand fertig, macht es sich gut, wenn man sein Hemd mit einem Gürtel hält,
andem noch ein paar wichtige Besitztümer, wie Gürteltasche, kleines Messer (Essbesteck)
und natürlich eine Waffe baumeln.
Andere
Übergewänder:(fürSchnitte
Seite "Schnitt1")
Über die oben
beschriebene Kombinationen kann man auch gut ein Übergewand tragen (nicht nur
wenn´s kalt ist). Es sollte aus einem dickeren Stoff bestehen und ist weiter und länger
als das Hemd geschnitten. Ein solches Übergewand hat meist sehr weite Ärmel und ist auch
mit einem Gürtel gehalten.
Tja, schwieriges Thema
: Frauengewänder im Larp....
Eigentlich trug die
Frau damals ein knielanges (Unter)Hemd, darüber ein Unterkeid, welches im Haus getragen
wurde, und darüber ein Überkleid, welches angelegt wurde, wenn ihr kalt war oder wenn
sie das Haus verliess.... Mit einer solchen Gewandung kann eine
Frau im Larp bestenfalls eine Priesterin/Magierin spielen.
Solltet Ihr Frauen, die
ihr dies lest, also eine kriegerische Rolle spielen, dann würde ich Euch raten,
Euch einfach Männerklamotten (siehe oben) zu nähen und diese aus feineren, verzierten
Stoffen zu fertigen.
Solltet Ihr eine Frau
spielen wollen, die in etwa der damaligen Frauenrolle entspricht - oder zumindest
der damaligen Kleidungsauswahl, dann rate ich Euch zu folgendem einfachen Gewand
als Grundlage.
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Unterkleid: (für Schnitte "Schnittseite
2")
Nehmt für das
Unterkleid einen Stoff, der angenehm auf der Haut ist und sich ein wenig den Körperformen
anpaßt. Ein guter Leinenstoff wird da wohl erste Wahl sein. Ich habe mal den Fehler
gemacht, für Myra ein Unterkleid aus viel zu steifem Stoff genäht, das bis heute genau
einmal getragen wurde und nun für alle Zeit im Schrank hängt (grummel)...
Dieses Unterkleid
sollte obenherum eng anliegen, damit das Überkleid problemlos darüber getragen werden
kann. Eine Schnürung auf dem Rücken oder auch vorne bietet sich an. Untenherum sollte
das Kleid so weit sein, das ihr problemlos große Schritte machen könnt, ohne das das
Kleid geschlitzt werden muß. Myra hat die Erfahrung gemacht, dass das Untekleid auch
nicht zu weit sein sollte, da sich die Stoffülle unter dem Überkleid sonst einem
beim Laufen um die Beine wickelt. Ansonsten finde ich unifarbene Unterkleider am
schönsten, aber jedem das seine ......
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Überkleid: (für Schnitte "Schnittseite
2")
Das Überkleid sollte
aus einem stärkeren und wärmeren Stoff sein, wo sich mal wieder Wolle anbietet, aber
auch ein leinenes Übergewand ist sinnvoll. Ich finde es schön, wenn man dieses
Übergewand aufwendiger und auffälliger arbeitet als das Unterkleid, es z.B. mit Borde
verziert oder verschiedenfarbig macht. Farblich sollte es natürlich zum Unterkleid
passen, da man beim laufen, selbst wenn das Unterkleid oben vollständig verdeckt ist,
immer noch dessen Saum sieht. Toll siehts aus, wenn das Überkleid nur halbe oder sehr
weite Ärmel hat, so dass die engen Arme des Untergewandes herausschauen. Eine gute
Version dieser Idee ist das Gewand mit Teufelsfenstern, das man damals getragen hat. Hier
war das Obere Gewand ärmellos und so weit geschnitten , dass man durch die
Armausschnitte fast das komplette Untergewand - und damit die weibliche Körperform
sehen konnte (was natürlich verrucht war - darum Teufelsfenster...).
Man kann sich alle nur erdenklichen Formen von Übergewändern ausdenken, da
sind im Live wohl keine Grenzen gesetzt. Man kann Kleider mit einer edlen Schleppe, einem
Stehkragen oder superweiten Ärmeln, die von innen mit edlem Stoff ausgeschlagen sind
nähen oder ,oder, oder..... , (oder auch nich´)
Man sollte nur im Blick
behalten, das man mit dem Ding auch mal durch Matsch rennen, auf die Toilette gehen, etc.
muß, und es "tragbar" halten. Im Gegensatz zu irgendwelchen Königinnen bekommt
man auf dem Larp selten die Schleppe hinterhergetragen....
Im Sommer sollte man
ein solches Übergewand durch eines aus leichtem Stoff austauschen, oder nur eine Schürze
über dem Unterkleid tragen. Die einfachste Art einer Schürze sind wohl zwei schmale
Rechtecke, die über den Schultern und an den Seiten in Hüfthöhe mit breiten
Stoffbändern gehalten werden. Die Schürze sollte nicht ganz so lang sein wie das
Unterkleid - vielleicht unterhalb des Knies enden.
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Röcke und Blusen:
(fürSchnitte Seite
"Schnitt2")
Ein weiteres Thema sind
Röcke. Röcke sind leider absolut "unmittelalterlich" , da wir uns aber im
"Fantasy" -Liverollenspiel befinden, und Röcke wesentlich bequemer zu tragen
sind (weiß ich von Myra), sind auch sie eine Kleidungsalternative. Außerdem kann man
einfacheRöcke im Geschäft recht günstig kaufen , für´s Live ein wenig mit Borde
verzieren und der Bund, der meist mit Gummizug recht neuzeitlich aussieht, verschwindet
unter einer Bluse oder einem breiten Gürtel.
Ich finde die
Kombination von Rock mit Bluse und darübergetragener , geschnürter, ärmelloser Korsage
am schönsten. Es sieht ein wenig bäuerlich aus, aber das mag ja zu Euren Charakteren
passen. Wenn man einen Rock und eine Bluse aus dem gleichen Stoff fertigt,
verschwindet der Übergang von den beiden Kleidungsstücken , wenn sie sich ein wenig
überlappen, und ein "kleidähnlicher" Eindruck entsteht. Vorteilhaft ist
auch ein warmer Überrock aus dickem Wollstoff, der im Winter ohne viel Umstand über den
Rock gezogen wird um Nässe und Kälte abzuwehren.
Man sollte bei dem Schneidern
der Frauengewänder immer darauf achten, dass die Kleidung nie zu eng geschnitten wird, da
(ich hab da so meine Erfahrung mit frierenden Frauen gemacht) es Frauen schnell kalt
wird, und unter dem Gewand oft noch "normale" Kleidung getragen wird.
Dies sind, wie ich
finde, mit die wichtigsten Bestandteile einer guten Gewandung. Ein noch so tolles
Kleidungsstück verliert durch Springerstiefel oder Dock´s oft wieder seinen Reiz. Ich
weiß aus eigener Erfahrung, dass gutes Schuhwerk sauteuer oder schwer selbstzumachen ist,
aber es lohnt sich auf jeden Fall seine Ausrüstung durch mittelalterliches Schuhwerk zu
komplettieren. Es gibt auch ein paar Möglichkeiten mit viel Mühe etwas selbst zu machen,
und bis dahin auch Tips, wie man seine normalen Schuhe "tarnen" kann.
Kopfbedeckungen;
(fürSchnitte Seite
"Schnitt3")
Kopfbedeckungen (ich
meine keine Helme) sind ebenfalls eine aussagekräftige Komplettierung der Gewandung. Wenn
man bedenkt, das damals das Haus nicht ohne Hut, Schleier, Kopftuch , Haube , etc.
verlassen wurde, wird auf dem Larp sehr wenig auf dem Kopf getragen. Bei
Männern macht sich ein einfacher Filzhut gut (ist nicht zu teuer), bei den Frauen das
einfache Kopftuch. Spielt man Adelige, dann sollte man sein Haupt mit dem berühmten
Wulstring verzieren oder , oder , oder.
Dieser Ring ist
übrigens aus der Gugel entstanden, die wohl die praktischste Kopfbedeckung im Larp
(und auch damals) ist (war). Eine Gugel ist eine Kapuze mit einem breiten Kragen,
der einem über die Schultern hängt. Sie kann einen langen Zipfel haben, den man sich vor
dem Absetzen der Kapuze ,wie einen Schal um den Hals wickelt. Leute fingen an den Kragen
aufzurollen bzw. aufzukrempeln , und so entstand der Ring, den man auf dem Kopf tragen
konnte. Eine Gugel ist superschnell gemacht, warm und sieht toll aus. Mehr oder weniger
verziert, kann fast jeder Charakter eine tragen.
Spielt man einen
Ritter, sollte man auch die Deppenkappe tragen - dieses knappe
Häubchen, das unter dem Kinn gebunden wird. Erstens kommt das Ritteroutfit gut rüber und
zweitens sind die Haare vor der Kettenhaube oder dem Helm sicher geschützt.
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Schuhe und deren
Tarnung: (fürSchnitte
Seite "Schnitte 3")
Schuhe fertigt man am
besten aus zähem Leder, das "standig" ist, also steif genug, sich selbst in
Form ( z.B. beim Stiefelschaft) zu halten. Die Sohle sollte aus dickem Kernleder
bestehen, das man nach belieben noch mit einer dünnen Plastiksohle aus dem Baumarkt
beklebt, damit man nicht sofort nasse Füße bekommt und ein wenig Profil unter den Sohlen
hat. Wer sich Schuhe selber machen will, sollte sich spitze Schuhe fertigen, denn das ist
einfacher, zeitgemäß und sieht urig aus (ist am Anfang ein wenig ungewohnt zu tragen,
aber man gewöhnt sich an alles). Leichte Sommerschuhe lassen sich recht einfach machen,
schwereres Schuhwerk setzt etwas mehr Erfahrung und handwerkliches Geschick voraus. Da
muß man halt einen Händler bereichern....
Springerstiefel,
Dock´s und alle sonstigen Schaftstiefel kann man mit Stoffwickeln um den Schaft tarnen,
was aber lange Wickelorgien bei jedem Schuhanziehen zur Folge hat. Ich empfehle da ein
rechteckiges Stück weiches Leder, welches genau um die Wade passt und hinten durch eine
Schnürung oder Schnallen zusammengehalten wird. Schnallen beschleunigen in diesem Falle
noch die "Anziehgeschwindigkeit" und sehen besser aus. So ist wenigstens der
Stiefelschaft getarnt. Den Schuh im ganzen zu verstecken ist wohl nicht möglich, wer da
aber einen Weg gefunden hat, der möge mir mailen, so dass ich die Idee hier einfügen
kann.
Ansonsten habe ich
schon einige Male Frauen getroffen, die auf dem Flohmarkt ein Paar gutaussehende
Wildlederstiefel aus den Sechzigern für´n Appel und ´n Ei gekauft haben......
Wenn man sich einmal
ein Grundgewand zugelegt hat und einen Kämpfercharakter spielt, dann benötigt man nun
das, was einen zum Kämpfenden macht ( zumindest Kleidungstechnisch ).
Dazu gehört wohl in
erster Linie die Rüstung....(von den Waffen ganz zu schweigen).
Kettenhemden: (fürBaupläne Seite
"Schnitte 4")
Ein Kettenhemd ist wohl
die gebräuchlichste "schwere" Rüstung, die auf dem Live getragen wird. Man
kann sich für teuer´ Geld eines kaufen (500-1000 DM.- für ein einfaches), oder sich
selbst eines fertigen (blutige Finger - Nervenzusammenbruch - ca. 350-500 DM.-). Die
Kettenringe findet Ihr in jedem Liverollenspielladen, es empfiehlt sich jedoch in
Mittelalterzeitungen ( z.B. Karfunkel) zu schauen - Dort werden die Kettenringe oft
billiger angeboten und wenn man sie in sehr großen Stückzahlen abnimmt, bekommt man
sogar fabelhafte Preise. Die billigste und mühsamste Methode sich ein Kettenhemd zu
machen , ist wohl sich die Ringe selbst zu drehen. Man kauft sich Eisenspanndraht
(Durchmesser von ca. 1-2 mm) im Landhandel, wickelt ihn um eine Stahlstange, so dass man
Spiralen erhält und knippst diese dann mit einer Kneifzange Ring für Ring auf. Das
T-Shirt große Hemd kommt einen dann gerade mal 100.- DM zu stehen, kostet aber sauviel
Arbeit.
Platte:
Selbermachen geht
bestimmt, scheitert aber meistens am Arbeitsplatz und an den fehlenden Werkzeugen. Platten
kann man recht günstig (komplett ca. 3000.- DM) bei ausländischen Plattnern erstehen,
wobei man nur gut auf die Qualität achten sollte! Deutsche Plattner lassen sich
ihre Arbeit mehr kosten, weisen aber ( zumindest meiner Erfahrung nach ) auch eine höhere
Qualität auf. Ich will keine Plattner schlecht machen - ich gebe nur zum besten, was ich
bis jetzt gesehen habe!
Lederrüstung: (fürBaupläne Seite
"Schnitte 4")
Eine gute und
preiswerte Alternative zum Eisen bietet die gute alte Lederrüstung. Ganz davon abgesehen,
dass sie hervorragende Trageigenschaften hat, kann man sie leicht selberbauen. Man sollte
hierfür starkes Kernleder benutzen, das vernäht oder vernietet wird. Eventuelle
Beschläge und Verzierungen lassen sich ebenfalls leicht anbringen.
Aus Leder lassen sich
auch hervorragende Arm und Beinschienen herstellen, die geschnürt oder geschnallt werden.
Diese kann man sehr gut mit Kettenteilen besetzen, was den Rüstungsschutz erhöht.
Ist man nun gekleidet
und gerüstet, was fehlt einem Krieger sonst noch alles? Der richtige Waffenrock
bzw. Wappenrock!
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Waffen/Wappenröcke:
(für Schnitte
Seite "Schnitte 4")
Unter Waffenrock
verstehe ich den Rock, den man unter der Rüstung trägt, um durch dessen Polsterung
Druckstellen zu vermeiden und das Tragen einer Rüstung bequemer zu machen - unter
Wappenrock denjenigen, den man über der Rüstung trägt, um sein Wappen oder seine Farben
zu zeigen.
Der Waffenrock sollte
in seinen Ausmaßen ganz individuell der Rüstung angepasst sein. Ich denke dabei an ein
Kleidungsstück, das aus einer inneren und einer äußeren Schicht Stoff oder Leder
besteht, zwischen denen sich eine Polsterung in Form von weiteren Stoffbahnen oder
Schaumstoff (nicht besonders mittelalterlich und auch nicht sehr atmungsaktiv) befindet.
Die beiden Stoffschichten und die Polsterung werden durch Karo- oder röhrenförmig
angeordnete Nähte aneinandergenäht bzw. abgesteppt. Auch hier empfiehlt es sich die
Arme, sollte es solche geben, zum anschnüren zu gestalten, so dass man mehr
Variationsmöglichkeiten hat und dem Sommer nicht so hilflos der Hitze ausgeliefert
ist. Zeitgemäß ist auch der Gambeson, bei dem man die Stoffschichten zuerst in
röhrenförmiger Anordnung zusammennäht, und dann die Röhren mit Lumpenstücken oder
Roßhaar ausstopft. Denjenigen von Euch, die eine Platte besitzen, die sich alleine bequem
tragen läßt, bietet sich an ein enges Wollhemd zu nähen und dieses nur an den Stellen,
die von der Platte nicht bedeckt sind (die Achseln z.B.) mit Leder und/oder Kettenstücken
zu besetzen. Es ist generell von Vorteil jeden Waffenrock, wenn nicht gerade ein
Plattenkragen im Weg ist, mit einem gepolsterten Stehkragen auszustatten, um den Hals vor
Schlägen zu schützen.
Der Wappenrock besteht
meistens aus einem rechteckigem Tuch von etwas mehr als Schulterbreite und einem
Halsausschnitt in der Mitte. Er wird über die Rüstung gelegt und mit dem Gürtel
gehalten oder ist an den Seiten unterhalb den Armausschnitten schon zusammengenäht,
so dass kein Gürtel mehr von Nöten ist. Er sollte repräsentativ und nicht aus zu
dünnen Stoff gestaltet sein. Welche Länge er hat ist wohl frei nach belieben,
zeitgemäß für das Hochmittelalter ist glaube ich ein "unterknie"-langer
Rock . Wer eine stickende Oma hat, sollte diese gleich als Wappenstickerin anheuern,
ansonsten sieht es mit einem tollen Wappen eher mies aus. Es gibt Leute, die sich ihr
Wappen aufmalen, was ich persönlich aber nicht so berauschend finde. Dem würde ich den
einfachen zwei- oder mehrfarbigen Rock vorziehen und auf ein großes Wappen verzichten.
Man kann den Wappenrock auch , wenn er schon in der Mitte gefaltet ist eine T-Shirt
-Form verpassen, was zur Folge hat, dass er mehr über die Schultern hängt und man ein
breiteres Kreuz hat (quasi). An mir (ich bin son´schmaler Hannes) sieht das nicht aus,
weil alles etwas albern herumschlackert, aber Leute, die mit etwas mehr Schulterbreite
gesegnet sind können einen so geschnittenen Rock gut tragen.
Auch Krieger trugen
damals übrigens, wenn sie nicht gerade in Rüstung herumliefen, lange und weite
Übergewänder , die ein wenig Priesterhaft aussehen, aber sehr viel hergeben. Einen
Schnitt für ein solches Übergewand findet Ihr auch auf der Seite "Schnitte 4".
Roben: (für Schnitte Seite
"Schnitte 5")
Das einzige
Kleidungsstück, das ein Magier oder Priester (neben der Grundgewandung) benötigt, ist
die Robe. Sie sollte weit geschnitten und aus einem schweren, satten Stoff genäht sein.
Es ist hier ratsam ,eine Kapuze anzunähen, die das mystische Auftreten eines guten
Magiers/Priesters erheblich fördern kann. Ebenfalls sieht eine reiche Verzierung toll
aus, wobei man die Robe selbst besticken (Oma), oder sie mit einer gekauften Borde
benähen kann. Aber aufgepasst beim Bordenkauf. Damals waren solche Borden meistens
Brettchengewebt - zwar fein und aufwendig, aber die Qualität und den Glanz einer heutigen
Plastik/Polyester- Borde hatte sie bestimmt nicht. Also kauft lieber eine Borde aus
Baumwoll /Leinengarn oder etwas dergleichen, aber nicht diese glitzernde Kunstoffmeterware
- es sieht einfach besser aus. Die Robe kann geschlossen sein, zum über den Kopf ziehen
oder vorne offen, wie ein Mantel. Solltet Ihr Euch für die offene Variante entscheiden,
dann sollte sich die Robe aber komplett schließen lassen (finde ich), da sie sonst
wirklich wie ein Mantel wirkt. Ganz hervorragend sieht eine Kombination von Robe
(aus etwas dünnerem Stoff) und darübergetragenem Mantel oder langer Weste (aus
schwerem Stoff) aus , wobei die Robe die Kapuze hat, welche dann über der Weste / dem
Mantel hängt. Sind die Farben der Kleidungsstücke aufeinander abgestimmt, so ergibt sich
ein großartiges Magier/Priestergewand.
Magier mit spitzem Hut
finde ich zum schreien abgefahren....(in stillen Gedanken an Zerobald, Großmagier der
Akademie der arkanen Künste - er ruhe in Frieden)
Was einem Magier und
einem Priester nicht fehlen darf ,ist die heilige Umhängetasche, in der der Magier seinen
magischen Zauberkrempel und der Priester sein Heilzeugs aufbewahrt.
Ganz zu schweigen von
dem riesigen Zauberbuch, das in Leder gebunden, mit Gold verziert, von Elfenhand
geschrieben, mit feuchten Kinderaugen bestaunt, mit .......aaaaaaaah ,
ich will auch so ein tolles Buch (aber so blöde Waldläufer wie ich geben ja nix für
´son Tand) ....
Damit ein Charakter gut
rüberkommt kann man sich noch einige Kleinigkeiten besorgen:
Gürtel: (für Schnitte Seite
"Schnitte 6")
Gürtel mit Schnalle,
sowie wir sie heute kennen sind erst spät getragen worden. Üblicher waren lange
Lederriemen, die an einer Seite einen einfachen Eisenring befestigt hatten, durch den der
Riemen gezogen und verschlungen wurde. Das ist einfach zu machen und gibt es auch zu
kaufen (ca. 35-40 DM.-). Es ist zwar etwas umständlich, aber es wirkt.
zurück
Gürteltaschen: (für Schnitte Seite
"Schnitte 6")
Eine anständige
Gürteltasche darf auch nicht fehlen, die so groß sein sollte, dass man Portemonnaie und
Zigaretten dort unterbringen kann. Es gibt schöne Taschen für schön viel Geld zu
kaufen, aber man kann einfache Taschen selber machen (siehe Seite "Schnitte 5").
Eine Gürteltasche gehörte wirklich zu der Grundausstattung eines jeden Mannes. Die
Tasche wurde meist mit zwei Schlaufen am Gürtel befestigt, so dass man zwischen diesen
beiden einen Dolch oder ein langes Messer stecken konnte (das ist bei der Dicke der
Larpwaffen wohl eher nicht möglich).
zurück
Messer, Geschirr und
Besteck:
Ein Messer sollte man
immer mit sich herumtragen. Zum essen, zum zerschneiden von Riemen, irgendetwas findet
sich immer, wozu das Messer gut ist (ich mag Messer......). Der Dolch war damals
übrigens eine Art Prestigeobjekt - umso schöner und verzierter, desto besser. Oft war in
der Lederscheide des Dolches eine zweite Scheide eingearbeitet, die ein weiteres,
kleineres Messer beherbergte, das man als Essbesteck nutzte .Gabeln waren übrigens noch
lange nicht erfunden (man besaß nur eine Art zwei oder einzackigen Fleischspieß),
zeitgemäß ist aber der Löffel aus Holz oder Metall. Jeder sollte zusehen, sich ein
Brettchen und/oder eine Schale zuzulegen, da ambienteuntaugliches Essgeschirr das
schönste Festmahl beeinträchtigen können (ich denke da an rosa Plastikschüsseln).
Ebenfalls tut ein Trinnkhorn oder ein Zinn / Tonbecher not.
zurück
Scheiden und Gehänge:
(für Schnitte
Seite "Schnitte 6")
Wer Waffen trägt, kann
sich eine Scheide dafür bauen. Es ist leichter als man denkt und tut dem Ambiente und
auch der Waffe gut. Eine einfache Scheide aus Leder, die von innen mit Stoff beklebt ist
(dann gleitet das Schwert besser hinein), ist auch nicht sehr kostspielig. Ein dazu
passendes Schwertgehänge rundet das ganze ab und verhindert das Herumbaumeln des
Schwertes. Bei einem solchen Gehänge hat die Scheide zwei Festpunkte: Oben, wo das
Schwert eingeschoben wird und knapp überhalb der Mitte der Scheide. Der obere Festpunkt
wird mittels einer Schlaufe seitlich am Gürtel befestigt, der untere Festpunkt geht in
eine lange Schlaufe über, die weiter hinten im Rücken am Gürtel befestigt ist. So
hängt die Waffe nicht schlapp am Bein herunter, sondern schräg nach hinten.
zurück
Umhänge: (für Schnitte Seite
"Schnitte 6")
Einen Umhang muß man
nicht besitzen, aber bei schlechtem Wetter freut man sich wie ein Schneekönig, wenn
man´s warm hat. Solche Umhänge sollten aus ein oder zweifachem Wollstoff gefertigt sein,
der die Nässe erst spät hindurchlässt und schnell wieder trocknet. Man kann sich einen
kurzen Umhang nähen, was sich empfiehlt, wenn man oft im Wald umherschleicht und sich
nicht überall verfangen will, oder einen langen, der eher edler wirkt. Kurze
Umhänge sind bequemer zu tragen, weil sie weniger behindernd sind und man sogar mit ihnen
kämpfen kann. Ich würde den Umhang aus einem rechteckigen Stück Stoff nähen, der oben
zu einem Kragen gefaltet und vorne mittels einer Spange gehalten wird. (Siehe Foto
auf Seite "Schnitte 6").
Einen langen Umhang aus
einem rechteckigen Stück zu nähen, so wie es viele tun finde ich nicht sehr schön. Ein
vernünftiges Cape ist ein großer Stoffkreis mit dem Radius, der der Länge von den
Schultern bis zu den Knöcheln entspricht. Dieser Stoffkreis hat in der Mitte ein Loch
für den Kopf und ist bis dort hin aufge- schnitten. Es geht zwar eine Menge Stoff dabei
drauf, aber es lohnt sich. Das Cape fällt sehr gut über die Schultern und man ist von
einer Stoffülle umgeben die einen sicher warm hält.
zurück
Jacken und Mäntel: (für Schnitte Seite
"Schnitte 6")
Eine weitere
Alternative ist die Jacke oder der Mantel um sich warm zu halten. Jacken oder Mäntel kann
man in allen nur erdenklichen Längen, Formen und Versionen nähen, die man sich
vorstellt, einen Schnitt findet Ihr auf der Seite "Schnitte 6", den Ihr dann
nach Euren Vorstellungen abändern könnt. Praktisch ist , wenn man in weite Ärmel vorne
Schlitze einfügt, aus denen man die Arme herausstecken kann, um Dinge zu erledigen, bei
denen die weitenÄrmel stören (das war damals wirklich so). Toll wirken auch
Pelzverbrähmungen an den Mänteln, man muß nur Kannickelpelz in Streifen schneiden und
eine Nähmaschine finden die den Kram vernähen kann (eine gute Haushaltsmaschine tut´s
eigentlich schon). Völlig abgefahren wird´s , wenn man anfängt den Umhang mit Pelz zu
füttern........
zurück
Falls jemandem meine
Page nicht gefällt (oder doch), Verbesserungsvorschläge oder sonstige Beiträge hat,
bitte mailt mir sofort.
Nochmal kurz zu der
Intention dieser Page. Erreichen möchte ich nicht, dass man sich schlecht fühlt, wenn
man sich bis jetzt noch keine vollständige Gewandung zugelegt hat , denn das ist auch
nicht unbedingt nötig. Ich möchte nur einige Anregungen geben, wie man sich ohne großen
Aufwand eine tolle Gewandung selbermachen kann.
Also , in diesem Sinne
....
frohes Nähen, Basteln
und ..... Schwitzen,
wünscht Euch Ilthanael
(alias
Patrick Seehaber).
Ilthanael@nikocity.de
zurück
Last revised: Oktober 26, 1999.
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